In der Ambulanz behandelte Erkrankungen

Das Spektrum der 2006 am Zentrum für Kinder und Jugendliche in der Ambulanz gestellten 3456 Diagnosen ist in Abbildung 5.4 dargestellt. Für den Interessierten ist eine Differenzierung der Diagnosen aus Tabelle 5.1 abzulesen.

Über viele der in der Ambulanz behandelten Erkrankungen wird an anderer Stelle dieses Buches berichtet. Um diese Erläuterungen zu finden, erfolgt bei der Beschreibung der Ambulanzbereiche jeweils ein Verweis auf die entsprechenden Kapitel.

Die Schwerpunkte der ambulanten Tätigkeit sind im Folgenden beschrieben und kurz erläutert. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass das Sozialpädiatrische Zentrum ebenfalls ausschließlich ambulant arbeitet. Es liegt jedoch dort eine andere Struktur zugrunde. Im Sozialpädiatrischen Zentrum werden vorwiegend chronisch kranke Kinder betreut oder sehr komplizierte diagnostische Abklärungen durchgeführt. In den hier beschriebenen Ambulanzen werden eher akute oder chronische Erkrankungen behandelt, bei denen eine regelmäßige Betreuung zwar langfristig, aber nicht sehr häufig oder weniger intensiv nötig ist.

Allgemeine Pädiatrie

In der allgemeinen Pädiatrie werden die klassischen Erkrankungen des Kindesalters behandelt, u. a. die Infekte der Luftwege, die Kinderkrankheiten, die Magen und Darmerkrankungen, Ohrerkrankungen. Diese Erkrankungen sind nach dem geltenden Kassenarztrecht durch die Kinderärzte und Hausärzte in der Praxis zu behandeln. In besonderen Fällen können diese die Kinder an die Ambulanz überweisen.

Insbesondere wird dies wahrgenommen, wenn eine umfassende, die Möglichkeiten einer Praxis überschreitende technische Diagnostik erforderlich wird. Somit wird in der Ambulanz der allgemeinen Pädiatrie sehr häufig Funktionsdiagnostik wie Ultraschall, bildgebende Diagnostik (Kapitel 13), EEG, Hör- (Kapitel 12) bzw. Seh-, Allergie-, Lungenfunktions- (Kapitel 11) und kinderkardiologische Diagnostik (Kapitel 9) angefordert.

Abb.: Der Sehtest gehört bei umfassenden ambulanten Untersuchungen (nicht bei Notfällen) mit zu dem Untersuchungsprogramm. Auf diesem Bild ist aus fotografischen Gründender Abstand des Kindes zur Sehtafel nicht eingehalten

Die Hyposensibilisierung ("Impfung") gegen Allergie, insbesondere gegen Bienen- und Wespengiftallergie, ist ein wichtiger Bereich der allgemeinen Ambulanz. Damit überschneidet sich die Ambulanz der allgemeinen Pädiatrie im Zentrum für Kinder und Jugendliche sehr stark mit den im Folgenden aufgeführten Spezialambulanzen. Eine nahezu rein allgemeinpädiatrische Tätigkeit besteht in der Notfallambulanz.

Abb.: Nach der WHO-Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) geordnete Gruppendiagnosender 3456 ambulant behandelten Patienten im Zentrum für Kinder und JugendlicheInn-Salzach im Jahr 2006

Ambulanz für Notfälle

Die Notfallambulanz ist für Notfälle während 24 Stunden über das ganze Jahr frei zugänglich. Sie wird von den diensthabenden Ärzten der Kinderabteilung betreut.

An Samstagen, Sonntagen und Feitertagen betreuen die Kinderärzte der Landkreise Altötting, Mühldorf und Rottal-Inn von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr.

Diese Notfallambulanz besteht sei 1.1.2006 im Rahmen der Kinderärztliche KV-Bereitschaftspraxis.

Abb.: Gründungsversammlung des Vereines Kinder- und Jugendärzte Inn-Salzach-Rott am 21. 7. 2005. Von links nach rechts: Dr. Scheffel, Mühldorf; Dr. Täuber, Eggenfelden; Dr.Schmid, Pfarrkirchen; Dr. Sperlich, Ampfing; Dr. Mace, Eggenfelden; Dr. Meister, Pfarrkirchen; Dr. Köring, Altötting; Dr. Mittermeier, Burgkirchen; Dr. Gaisbauer, Simbach; Dr. Staudt, Neuötting; Dr. Schmid, ZKJ. Die Kinderärzte beabsichtigen zunächst eine gemeinsame Regelung des Wochenend- und Feiertag-Bereitschaftsdienstes zwischen dem Zentrum für Kinder und Jugendliche, der Kreisklinik und den niedergelassenen Kinderärzten

Es kann jedoch an Wochenenden und Feiertagen durchaus vorkommen, dass auch in der Notfallambulanz längere Wartezeiten entstehen. Dies geschieht insbesondere dann, wenn die Ärzte durch ihre stationäre Tätigkeit bei häufig schwerkranken Kindern voll ausgelastet sind und aufgrund einer kurzen "Überblickdiagnostik" durch die Schwester der Ambulanz oder den Arzt sich der Befund als nicht lebensbedrohlich erweist.

In der Notfallambulanz werden vor allem akute Infektionskrankheiten, Verletzungen, Verbrennungen, Kinderkrankheiten, Bauchkoliken, Blutungen, allergische Erkrankungen, Unfälle, Kreislaufkollapse behandelt.

Abb.: Zur Diagnostik eines Kreislaufkollapses ist die Blutdruckmessung eine Basisuntersuchung

Ambulanz – Epilepsie und Neuropädiatrie

Die Epilepsiediagnostik und -therapie und darüber hinaus die Behandlung von Kindern mit neuropädiatrischen Krankheiten (Nervenkrankheiten des Kindesalters) gehören in der pädiatrischen Ambulanz zu den wichtigsten Schwerpunkten. Von den insgesamt 672 Kindern mit Epilepsie und Krampfanfällen, die im Zentrum für Kinder und Jugendliche (2006) betreut wurden, sind 96 in der Mitbetreuung der Ambulanz (siehe auch Kapitel 11). Die anderen Patienten mit Epilepsie werden überwiegend im Sozialpädiatrischen Zentrum oder auf der Station behandelt.

Sehr häufig überschneiden sich Epilepsieerkrankungen mit neuropädiatrischen Erkrankungen wie Nervenerkrankungen, Muskelerkrankungen, Entwicklungsstörungen, Teilleistungsstörungen bis hin zu kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen (Kapitel 7).

Abb.: Zur Festlegung des Entwicklungsstandes eines Kindes ist eine Testdiagnostik erforderlich. Hier wird eine standardisierte Testung mit dem HAWIK III durchgeführt

Ambulanz – Kinderkardiologie

677 Kinder wurden im Jahr 2006 wegen des Verdachtes oder bei Vorliegen einer Herzerkrankung bzw. eines Herzfehlers in einer eigens dafür eingerichteten Sprechstunde vorgestellt. In Anbetracht dieser hohen Zahl wird dieser Bereich in Kapitel 9 umfassend beschrieben.

Ambulanz – Operative Pädiatrie

4286 Kinder wurden im Jahr 2006 an der Kreisklinik Altötting operativ versorgt. Diese Kinder wurden teilweise direkt stationär eingewiesen, teilweise aber auch im Vorfeld in der Ambulanz vorgestellt bzw. bei komplizierteren Fällen auch nach der Operation untersucht. Dies betrifft insbesondere kinderurologische und kinderchirurgische Eingriffe wie sie im Kapitel 10 beschrieben sind. Die ambulante Betreuung der HNO-ärztlichen und orthopädischen Eingriffe (Kapitel 10) erfolgt in der Praxis der niedergelassenen HNO Ärzte bzw. Orthopäden. Ebenso werden ambulante Operationen über die Ambulanz organisiert.

Ambulanz für Stoffwechsel- und Hormonstörungen (Endokrinologie)

Die größte Patientengruppe sind die in dieser Ambulanz behandelten Kinder mit Übergewicht (Adipositas) (Kapitel 11), Untergewicht (Anorexie, Bulimie), Kleinwuchs, Hochwuchs, Diabetes mellitus. Seltene Erkrankungen, wie z. B. Mucoviszidose, Schilddrüsenerkrankungen, hormonelle Störungen, werden in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Zentren der Universitätskinderklinik behandelt.

Abb.: Durchführung einer Schweißiontophorese zum Ausschluss einer Mukoviszidose, einerKrankheit, bei der die Schleimproduktion im Körper gestört ist. Der zwischen den beiden Elektroden unter den Bändern fließende Strom reizt die Schweißbildung. Der gesammelteSchweiß wird anschließend im Labor untersucht

Ambulanz – Onkologie und Tumoren

Die häufigsten Tumoren im Kindesalter sind die Leukämien und Lymphome (58 %), Tumoren des Nervensystems (18 %) und der Knochen (5 %). Eine Besonderheit dieser Altersstufe sind die angeborenen Tumoren. Andere Tumoren kommen vor, sind aber insgesamt eher selten. Alle Kinder mit Tumoren werden an einem entsprechenden Tumorzentrum, meist in München, betreut. Auch die Therapie wird von dort festgelegt. Im Rahmen der sehr eingreifenden Therapie sind jedoch häufig Untersuchungen des Patienten und Laborkontrollen erforderlich. Diese werden an der hiesigen Ambulanz durchgeführt und nach entsprechender Rücksprache mit dem behandelnden Tumorzentrum in das therapeutische Konzept umgesetzt. Der hohe Aufwand für alle Beteiligten wird durch die hohen Heilungsquoten, die heute bei vielen Tumorarten zwischen 80 und 90 % liegen, gerechtfertigt.



Copyright ZKJ
Altötting und
nytec-multimedia
2014