Radiologische Diagnostik

Dr. Paul Grotemeyer, Dr. Christoph Seifried

Röntgen

Röntgenuntersuchungen werden im Kindesalter unter dem Aspekt des sich noch entwickelnden und noch nicht ausgereiften Organismus in wesentlich geringerem Umfang eingesetzt als im Erwachsenenalter. Dennoch haben diese diagnostischen Maßnahmen auch im Kindesalter große Bedeutung, beschränken sich aber auf einen deutlich engeren Indikationsbereich.

Die dabei entstehende Strahlenbelastung ist einer Nutzen-Risiko-Analyse zu unterziehen, d. h. sie ist dort in Kauf zu nehmen, wo der Nutzen einer exakten Diagnose gegenüber dem Risiko einer Strahlenbelastung überwiegt. Zum anderen gibt es diagnostische Maßnahmen, die eben nur mit Röntgen möglich sind und die nicht durch klinische Untersuchung, Ultraschall, elektrophysiologische Untersuchungen, Laboruntersuchungen oder andere zu ersetzen sind.

Dies gilt vor allem für Röntgenuntersuchungen des Skeletts bei Fragen nach Knochenbrüchen, Missbildungen, Tumoren und der Bestimmung des Skelettalters, z. B. hinsichtlich der Wachstumsprognosen.

Abb.: Röntgenuntersuchung eines Jugendlichen. Die Bleischürze über dem Körper schützt die darunter liegenden Körperteile vor den Röntgenstrahlen

Bei entzündlichen Knochen- und Gelenkserkrankungen ist abhängig vom Krankheitsbild abzuwägen zwischen Röntgenaufnahme, Kernspintomographie und nuklearmedizinischer Untersuchung (Skelettszintigraphie).

Große Bedeutung hat die Lungendiagnostik sowohl im Neugeborenenalter wie auch im späteren Kindesalter überwiegend zur Erkennung von entzündlichen Lungenprozessen. Die primäre Herzdiagnostik – hier wurden diese Aufnahmen früher grundsätzlich eingesetzt – ist zwischenzeitlich eine Domäne des Ultraschalls (siehe Kapitel 9) geworden.

Einsatz findet die Röntgendiagnostik auch bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Im Neugeborenenalter steht im Vordergrund die Erkennung von Passagestörungen oder Fehlbildungen. Die hypertrophische Pylorusstenose (Magenpförtnerkrampf), die sich des Öfteren bei Knaben (selten Mädchen) innerhalb der ersten 6 Lebenswochen entwickelt, wird jedoch nur noch mit Ultraschall abgeklärt. Die Untersuchung des Dünndarms ist weiterhin uneingeschränkt eine Domäne der radiologischen Diagnostik. Bei Verstopfung wird der Dickdarm mit Röntgenkontrasteinlauf untersucht. Die Invagination (Verschluss des Darmes durch Einstülpen eines Darmanteiles in einen anderen) wird primär im Ultraschall erkannt und dann aber oft durch einen Röntgenkontrasteinlauf bestätigt. Die Röntgenuntersuchung dient in der unmittelbaren Folge als therapeutische Maßnahme zur Lösung und Reposition dieser Einstülpung.

In größerem Umfang findet die Röntgenuntersuchung Eingang auch bei der Abklärung kinderurologischer Erkrankungen. Im Mittelpunkt stehen die Diagnostik der Harnabflussverhältnisse aus den Nieren bzw. krankhafte Rückflussverhältnisse von der Blase zu den Harnleitern und Nieren bei chronischen Harnwegsinfekten. Eingesetzt werden hierzu die "Ausscheidungsurographie" und die "Miktionszysturetrographie".

Computertomographie

Bei der Computertomographie handelt es sich um ein Verfahren, bei dem ebenfalls Röntgenstrahlen eingesetzt werden. Bei ihr werden jedoch nicht die üblichen Röntgenaufnahmen erstellt. Es handelt sich um ein digitales bildgebendes Verfahren, bei dem bestimmte Organe bzw. Organbereiche mit Querschnittsaufnahmen untersucht werden. Dabei sind durch einen erhöhten Weichteilkontrast und Dichtemessungen genauere diagnostische Aussagen möglich. Im Kindesalter wird sie überwiegend nach Unfällen zur Diagnostik von Schädelhirntraumen eingesetzt, aber auch zur Abklärung von krankhaften Veränderungen im Bereich der Nasennebenhöhlen und der Ohren.

Abb.: Jugendlicher im Computertomographen vor der Untersuchung des Schädels

Untersuchungen bei entzündlichen Erkrankungen im Brust- und Bauchraum, bei Tumoren sowie am Skelettsystem sind selten.

Zur Diagnostik von Behinderungen, Epilepsie oder Entwicklungsstörungen wird die Computertomographie am Schädel in der Regel nicht mehr eingesetzt.



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