Umschriebene Entwicklungsstörungen aus dem Lebensbereich Schule

Heidrun Bubik, Friedhelm Busch, Renate Franzler, Katrin Mayringer, Margot Orichel, Julia Stadler

Lese- und Rechtschreibstörung

Hierbei handelt es sich um eine umschriebene und bedeutsame Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten, die vom sonstigen Intelligenzniveau des Kindes abweicht. Die Therapie ist grundsätzlich Aufgabe der Schule und von anderen pädagogischen Institutionen. Begleitende Störungen im emotionalen und Verhaltensbereich sind häufig. Hier können medizinische Maßnahmen erforderlich sein.

Das Erlernen des Lesens und Schreibens ist ein sehr komplexer Prozess, für den Sprach- und Sprechfähigkeiten, visuelle und auditive Wahrnehmungsleistungen, rhythmische Gliederungsfähigkeit, Symbolverständnis und feinmotorische Fertigkeiten der Hand die Voraussetzungen darstellen. Defizite oder Entwicklungsrückstände in diesen Bereichen können sich deshalb auch auf die Leseund Rechtschreibfertigkeiten negativ auswirken.

Abb.: Training einer Störung der Feinmotorik und Visuomotorik bei Rechtschreibstörung mit der Motorischen Leistungsserie des Wiener Testsystems

Kinder mit Defiziten in der auditiven Wahrnehmung und der phonologischen Bewusstheit haben z. B. Probleme, Wörter in Silben zu gliedern, oder zu hören, aus welchen Lauten ein Wort aufgebaut ist. Sie können sich Sätze oder längere Wörter schlecht merken, deshalb kommen sie in der Schule oft nicht mit. Kinder mit Leseschwierigkeiten haben oft Probleme, in der Zeile zu bleiben und beim Lesen Wort für Wort mit den Augen "abzutasten".

In der Therapie wird mit Schriftmaterial oder anderen Medien (z. B. Computer) gearbeitet. Damit sich Erfolge einstellen, ist regelmäßiges, eigenständiges Üben des Kindes zu Hause (mit vorheriger Anleitung durch den Therapeuten) unerlässlich. Wichtig für den Erfolg beim Lesen und Schreiben sind aber auch allgemeine Voraussetzungen wie Konzentrationsfähigkeit, Freude am Lernen und vor allem Selbstvertrauen. Ein vorrangiges Ziel der Ergotherapie ist deshalb, den Kindern Erfolgserlebnisse und dadurch mehr Selbstvertrauen zu vermitteln. Therapeutisch wird an dem Punkt gearbeitet, der dem Entwicklungsniveau des Kindes entspricht. Es wird dort abgeholt, wo es in seiner Entwicklung steht.

Rechenstörung

Diese Störung besteht in einer umschriebenen Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht durch eine allgemeine Intelligenzminderung erklärbar ist. Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren. Es zeigt sich sowohl in mangelndem Zahlen- und Zahlenraumverständnis als auch in weit unterdurchschnittlichen Rechenfähigkeiten (Kinder benutzen oft Zählhilfen wie Finger oder Stifte). Typischerweise zeigen Kinder mit Rechenschwäche in anderen, nicht-mathematischen Fächern meist wesentlich bessere Leistungen in der Schule. Oft haben die Kinder bereits im Vorschulalter Probleme, Mengen einzuschätzen, zu vergleichen oder zu sortieren. Später treten im Hunderter- und Tausender-Zahlenraum Vertauschung oder Verdrehung der Stellenwerte auf. Auch das Rechnen mit Maßeinheiten wie Uhrzeit oder Gewicht bereitet Probleme.

Begleitend können ähnliche Probleme wie bei der Lese- und Rechtschreibstörung z. B. durch psychische Belastung sowie Versagensängste, Schulangst und Lernverweigerung auftreten.

Wichtig in der Therapie ist auch hier wieder, das Kind zu motivieren und ihm Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Dabei muss man den individuellen Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigen.

Die Therapie setzt zunächst beim konkreten Handeln mit Gegenständen (und dem Körper) an unter Einbeziehung aller Wahrnehmungsbereiche, später wird es zunehmend abstrakter.

Mögliche Therapiematerialien und -spiele sind:

  • Sortier-, Zuordnungs- , Wenig- oder Viel-, Reihenfolge- und Serienspiele
  • Rechts-Links-Orientierungsspiele (Lage im Raum)
  • Montessori-Mathematikmaterial



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