Spezielle Therapieverfahren in der Ergotherapie

Neben den bei den jeweiligen Grundfunktionen erwähnten Therapiemöglichkeiten haben die folgenden Therapieverfahren einen viel breiteren Ansatz.

Sensorische Integrationstherapie

Anhaltspunkt für eine Behandlung bietet die ärztliche und psychologische Diagnostik. Ergänzend erfolgt mittels freier und gezielter Beobachtung eine ergotherapeutische Befunderhebung.

Therapieziele sind die Verbesserung der sensorischen Verarbeitung von Tiefenwahrnehmung, Gleichgewicht und der Berührung sowie eine Verknüpfung mit den anderen Sinnen als Grundlage für Handlungskompetenz und Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umwelt.

Psychomotorik

Seit Ende der 50er Jahre arbeitet vor allem E. J. Kiphard an der Entwicklung der Psychomotorik. Mit diesem Begriff wird betont, dass menschliche Bewegung viel mehr ist als Fortbewegung. Es sind viele andere bewusste und unbewusste Prozesse beteiligt. Während wir uns bewegen, nehmen wir unsere Umwelt wahr, reagieren auf diese in einer bestimmten Art und Weise und wirken auch immer auf diese ein. Außerdem sind unsere Bewegung und Körperhaltung (bewusst oder unbewusst) auch Ausdruck unseres seelischen Zustandes.

Der Handlungsansatz liegt vermehrt bei den Stärken der Kinder. Die körperkoordinativen Übungen werden hier v. a. unter dem Aspekt der Wechselwirkung mit sozioemotionalen Kompetenzen gesehen, d. h. Bewegung, Wahrnehmung und Erleben stehen in engem Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Den Kindern werden Spaß an der Bewegung und Erfolgserlebnisse vermittelt. So kann Selbstvertrauen entwickelt werden, soziales Verhalten wird geübt und stabilisiert, Persönlichkeitsentwicklung, Körperkoordination und Wahrnehmung werden gefördert. In der Gruppentherapie arbeiten Ergotherapeuten mit Therapeuten aus anderen Berufsgruppen zusammen.

Werken und gestalterische Techniken

Folgende Techniken finden Verwendung: Arbeiten mit Peddigrohr, Ton- und Holzarbeiten, Seidenmalerei, Papierarbeiten, Arbeiten mit Wolle, Stoffen und Perlen und weiteren unterschiedlichen Materialien.

Abb.: Herstellen eines Peddigrohrkorbes

Abb.: Laubsägearbeit

Der Einsatz ist sehr vielfältig und orientiert sich an den Therapiezielen. Je nach Therapieziel, Alter und Entwicklungsstand des Kindes wird die Aufgabenstellung verändert, erleichtert oder erschwert.

Anhand des Beispiels der Herstellung eines Peddigrohrkorbes sollen einige Förderungsmöglichkeiten dargestellt werden:

  • Förderung des Selbstvertrauens: Unter therapeutischer Anleitung stellt das Kind selbst ein Werkstück her.
  • Förderung der Handgeschicklichkeit: Das Kind übt die Wahrnehmung seiner taktilen (Berührung), propriozeptiven (Stellung der Gelenke) und visuellen Grundfunktionen und darauf aufbauend Kraftdosierung seiner motorischen Fähigkeiten beim Fädeln der Staken durch die Löcher oder beim Flechtvorgang.
  • Förderung der Handlungsplanung: Planungsvorgang, Umsetzung und selbstständiges Arbeiten stehen im Vordergrund
  • Förderung der Ausdauer und Konzentration: Der Flechtvorgang erfordert Konzentration, ständig richtig zu flechten, aber auch Fehler zu erkennen. Es erfordert Ausdauer, den Korb so hoch zu flechten wie vorher vereinbart.
  • Förderung räumlicher Leistungen (Raumlage, räumliche Beziehung,…)

Selbsthilfetraining (ADL = Aktivitätendes täglichen Lebens)

Beim Selbsthilfetraining werden täglich wiederkehrende, lebensnotwendige Verrichtungen wie An- und Ausziehen, Essen und Trinken, Körperpflege, Toilettengang eingeübt und eine selbständige Verrichtung angestrebt.

Abb.: Aktivitäten des täglichen Lebens

Die selbständige Verrichtung der Aktivitäten des täglichen Lebens ist für die kindliche Entwicklung äußerst wichtig. In der Therapie muss der Entwicklungsstand in Bezug auf Wahrnehmung, Motorik, kognitive und emotionale Funktionen berücksichtigt werden. So können einige Kinder die Handlungsabfolge einer Tätigkeit nicht überblicken bzw. planen oder sie können aufgrund einer körperlichen Behinderung bestimmte Bewegungen nicht ausführen.

Hier setzt die Therapie mit entsprechenden Übungen an. Außerdem kann vorübergehend oder ständig der Gebrauch von Hilfsmitteln notwendig sein.



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