Geburtshilfe und Kinder- und Jugendgynäkologie an der Kreisklinik Altötting

Dr. Peer Hantschmann

Geburtshilfe

Im Rahmen der medizinisch und ökonomisch notwendigen Schwerpunktbildung wurden ab dem 01. Juli 2004 die geburtshilflichen Abteilungen der Kreiskliniken Altötting und Burghausen am Standort Altötting zusammengelegt. Ausschlaggebend für die Standortwahl waren dabei die besseren Strukturvoraussetzungen in Altötting durch die Abteilung für Pädiatrie mit neonatologischer Intensivstation. Hierdurch konnte die enge perinatologische Kooperation in einem Team aus Hebammen, Geburtshelfern, Pädiatern und Kinder- sowie Wochenbettpflegekräften deutlich gestärkt werden. Alltäglich kommt die enge und konstruktive Zusammenarbeit in gemeinsamen Fallbesprechungen und regelmäßigen Konferenzen zum Ausdruck. Die individuelle, natürlich orientierte und medizinisch hoch qualifizierte geburtshilfliche Tätigkeit stellt dabei die Voraussetzung für einen optimalen Start ins Leben des pädiatrischen Patienten dar.

Geburtshilfe – So sicher wie nötig, so sanft wie möglich

Die Geburt des eigenen Kindes ist eines der emotional ergreifendsten, aber auch angstbelastetsten Erlebnisse überhaupt. Sowohl die Tiefe des Erlebens als auch die Auflösung von Ängsten beginnt mit der optimalem Vorbereitung der Geburt durch ausreichende Information, die in Altötting sowohl in monatlichen Abendveranstaltungen als auch individuellen Gesprächsterminen zur Geburtsplanung durchgeführt wird, in denen die individuellen Wünsche und Vorstellungen der Eltern aufgenommen und besprochen, aber auch mögliche Risikosituationen herausgefiltert und speziell analysiert werden.

Zur Überwachung unter der Geburt und damit auch zur Bekämpfung der elterlichen Sorgen um die Gesundheit des Kindes kommen neben der klinischen Untersuchung insbesondere die Ultraschalldiagnostik und das sog. Kardiotokogramm als Registrierung der Herzfrequenz des Kindes und der Wehentätigkeit zum Einsatz. Beide Methoden stellen bei kontrolliertem Einsatz keine wesentliche Belastung dar, bieten aber die Sicherheit, ein optimales Befinden des Kindes unter der Geburt zu gewährleisten.

Um insbesondere der Mutter die Möglichkeit zu geben, die Geburt bewusst und ohne enorm belastende Verspannungen zu erleben, werden neben verschiedenen Entspannungs- und Atemtechniken sowie einer freien Wahl der Gebärpositionen (z. B. auch Wannengeburt) zahlreiche Verfahren angewendet, die die Geburt erleichtern können.

Abb.: Entspannungsbad im Kreißsaal in der Gebärwanne

Dazu zählen neben der Akupunktur und der Gabe homöopathischer Substanzen bestimmte Medikamente oder auch die Regionalanästhesie als so genannte schmerzfreie Geburt. Durch die Vermeidung eines Dammschnittes bei den meisten Geburten wird schließlich Ängsten der Entbindenden vor Eingriffen in die eigene körperliche Integrität begegnet.

Aufgrund seiner besonderen Bedeutung sollte eine gezielte Vorbereitung auf den Augenblick unmittelbar nach der Geburt des Kindes erfolgen. Zum ersten Mal sind nun neben der unmittelbaren visuellen und akustischen Wahrnehmung des eigenen Kindes aktive emotionale Ausdrücke durch Kommunikation und Streicheln möglich.

In Altötting wird den Eltern bereits im Kreißsaal die Gelegenheit zur eigenständigen Versorgung des Kindes gegeben. Die Mutter wird animiert, sich selber das Kind zu nehmen und auf den eigenen Bauch zu legen, die Durchtrennung der Nabelschnur übernimmt in der Regel der Vater oder eine andere nahe Bezugsperson, die die Frau sich zur Begleitung bei der Geburt gewählt hat. Das Kind wird zur Förderung des Stillens und des Mutter Kind-Kontaktes bereits wenige Minuten nach der Geburt an die Brustwarze gelassen.

Abb.: Anlegen an die mütterliche Brustunmittelbar nach der Geburt im Kreißsaal

In bestimmten Situationen ist eine vaginale Geburt nicht zu vertreten, so dass ein Kaiserschnitt erforderlich wird, der allerdings die emotionalen Bedingungen einer normalen Geburt nicht komplett imitieren kann. Dennoch ermöglichen moderne Operationstechniken (sog. sanfter Kaiserschnitt), örtliche Betäubungsverfahren und die Anwesenheit des Vaters bei der Operation das bewusste Erleben der Geburt.

Die aktive Einbeziehung der Eltern wird im Rahmen der Wochenbettbetreuung durch die Möglichkeit, allerdings nicht die Verpflichtung zu einer eigenständigen Versorgung des Kindes (sog. Rooming-in) fortgesetzt. Um den Vätern ebenfalls die Gelegenheit zu geben, unmittelbar an den ersten Wochenbetttagen aktiv teilzunehmen, wurden in Altötting Familienzimmer eingerichtet, in denen die Eltern gemeinsam aufgenommen werden und Tag und Nacht in die Betreuung eingebunden werden können.

Abb.: Familienzimmer mit großem Doppelbett im Wochenbettbereich

Schließlich steht für die Kommunikation mit anderen frisch gebackenen Eltern in ungezwungener Atmosphäre bei Tee und Keksen ein so genanntes Bistro zur Verfügung.

Dem emotional erfüllenden Erleben der Geburt und der ersten Wochenbettphase sollte besondere Bedeutung beigemessen werden, da hier bereits eine wesentliche Basis für die definitive Eltern-Kind-Beziehung festgelegt wird, deren Tragfähigkeit auf diese Weise verbessert werden kann.

Risikogeburtshilfe

Durch die Abteilung für Pädiatrie mit neonatologischer Intensivstation sind Risiko und Hochrisikogeburten aus dem gesamten Umkreis in Altötting zentralisiert. Wesentliche Risiken stellen Frühgeburtlichkeit, Infektion und Fehlbildungen des Kindes dar. Letztere können in einem hohen Prozentsatz bereits vor der Geburt - insbesondere durch Ultraschall - diagnostiziert werden. Bei der pränatalen Diagnose einer Fehlbildung kann eine vorherige Besprechung der Befunde gemeinsam mit den Pädiatern und den Eltern zu einer verbesserten Vorbereitung auf die nachgeburtliche Situation beitragen. Das bedeutsamste Risiko stellt aber die Frühgeburtlichkeit (Geburt vor der 37 + 0. Schwangerschaftswoche) dar, die vor allem durch eine Infektion ausgelöst wird.

Zur Verhinderung einer Frühgeburt können in der Schwangerschaft neben Medikamenten (z. B. Wehenhemmern) auch bestimmte Operationsverfahren wie der Muttermundverschluss eingesetzt werden. Auch eine Vorbereitung des Kindes, als Frühgeborenes insbesondere mit der Eigenatmung besser zurechtzukommen, ist medikamentös möglich. Drohende Frühgeburten werden dabei in Altötting stets innerhalb des pädiatrisch-geburtshilflichen Teams im weiteren Vorgehen besprochen. Um der besonderen Belastungssituation der Eltern zu begegnen, legen wir nicht nur auf ein frühzeitiges Gespräch der Eltern auch mit dem Pädiater wert, sondern auch auf ein Kennenlernen der neonatologischen Intensivstation und der kleinen Frühgeborenen.

Schließlich ermöglicht die enge räumliche Anbindung der Kinderintensivstation an den Wochenbettbereich eine optimale Betreuung des versorgungspflichtigen Kindes durch die Eltern.



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