Qualitätsmanagement auf der Pädiatrie-Station

Brigitte Prähofer, Brigitte Basler

In der Kreisklinik Altötting ist ein Leitbild entwickelt worden, in dem die wesentlichen Ziele und Grundsätze für unsere Arbeit dargelegt sind. Der Leitgedanke für unser Krankenhaus lautet: "Die Sorge um den kranken Menschen steht im Mittelpunkt unserer Bemühungen". Alle Mitarbeiter sind aufgefordert, sich am Leitbild zu orientieren und an dessen Umsetzung aktiv mitzuarbeiten. Um diese Leitgedanken umsetzen zu können, wurden einzelne Projekte entwickelt und Qualitätszirkel gebildet.

Der Qualitätszirkel Pädiatrie

Anlässlich der Einführung eines umfassenden Qualitätsmanagementsystems (UQMS) an der Kreisklinik Altötting bildete sich auf der Kinderstation ein Qualitätszirkel. Die Besetzung wurde interdisziplinär zusammengestellt, d. h. die Gruppe setzt sich aus Schwestern und Ärzten der Kinderstation, dem Chefarzt der Abteilung, der Leitung der Kinderkrankenpflegeschule und der Erzieherin im Spielzimmer zusammen. Diese berufsübergreifende Auswahl erschien uns sehr wichtig und vorteilhaft, da auftretende Fragen und Probleme zwischen den einzelnen Schnittstellen erfasst und auf diese Weise frühzeitig bearbeitet werden konnten.

Der Qualitätszirkel hat sich die Aufgabe gestellt, einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess in Gang zu setzen. Voraussetzung hierfür war, dass die Abteilung für sich ein Leitziel entwickelt. Es sollte den medizinischen wie den pflegerischen Bereich beinhalten, und der Mensch sollte im Mittelpunkt stehen, sowohl unsere kleinen Patienten und deren Angehörige als auch die Mitarbeiter der Abteilung. Das gemeinsame Ziel ist die bestmögliche diagnostische, therapeutische, pflegerische und seelische Betreuung unserer kleinen Patienten und ihrer Angehörigen.

Notwendig für die Erreichung dieses Zieles sind:

  1. Ganzheitliche, bestmögliche Pflege
  2. Optimale Diagnostik, Therapie und Beratung
  3. Innerbetriebliche Harmonie
  4. Gut strukturierte Organisation innerhalb der Pädiatrie und der Schnittstellen

Die Umsetzung des Qualitätszieles wurde folgendermaßen weiterentwickelt:

  • Bildung eines Qualitätszirkels mit interdisziplinärer Besetzung
    Aufgabe des Zirkels: kontinuierlicher Prozess der Qualitätsverbesserung
  • Entwicklung eines messbaren Zieles
  • Erarbeiten von Elternfragebögen über die Zufriedenheit der stationär behandelten Kinder
    • für die Kinderstation
    • für die Neonatologische Intensivstation
  • Planung des Vorgehens bzw. Überarbeitung der Fragebögen in mehreren Sitzungen
  • Strukturierung des Vorgehens – Verteilung
    • Auswertung
    • Planung von Veränderungen
    • Umsetzung von Maßnahmen

Die Überprüfung des Qualitätszirkels

Es stellte sich die Frage nach der Überprüfbarkeit der Qualitätszielerreichung. Wie kann man das Wohlergehen und die Zufriedenheit unserer kleinen Patienten und der Angehörigen messen? Eine Befragung der Eltern stationär liegender Kinder schien uns als Instrument am geeignetsten. In mehreren Qualitätszirkel Sitzungen wurden zwei Fragebögen erarbeitet. Ein Fragebogen sollte spezifisch auf die Neonatologische Intensivstation, der andere Fragebogen auf die allgemeine Kinderstation abgestimmt werden. Wir einigten uns darauf, nicht zu viele Fragen zu stellen und diese auch möglichst einfach zu formulieren. Wir hatten große Bedenken, dass zu viele und zu ausführliche Fragen die Eltern nur abschrecken würden. Die Beurteilung haben wir nach dem Benotungssystem der Schulen gewählt, also die Note 1 – sehr gut bis Note 6 – ungenügend. Dies schien uns für die Eltern am gängigsten zu sein. Außerdem haben wir möglichst viel freien Platz für eigene Bemerkungen gelassen, wie Verbesserungsvorschläge, Wünsche und Erklärungen, warum eine Beurteilung so geäußert wurde. Die wichtigsten Fragen sind:

  1. Wie war Ihr erster Eindruck auf der Kinderstation?
  2. Wie empfanden Sie die Aufnahme durch die Schwester und den Arzt?
  3. Fühlten Sie sich auf der Kinderstation höflich und freundlich behandelt?
  4. Waren Sie (gegebenenfalls) mit der Mutter-Kind-Aufnahme zufrieden?
  5. Wurden Sie und Ihr Kind von der Schwester gut betreut?
  6. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den Schwestern (Pflege, Anleitung, u. a.)?
  7. Wie fühlten Sie sich von den Ärzten betreut?
  8. Wie beurteilen Sie das Essen für Ihr Kind?
  9. Waren Sie mit dem Angebot im Spielzimmer zufrieden?
  10. Waren Sie mit dem Angebot der Patientenschule zufrieden?
  11. Waren Sie mit der Sauberkeit der Räume, Einrichtungen und Gegenstände zufrieden?

Der Fragebogen soll bis zum 3. Tag den Eltern überreicht werden, die Übergabe persönlich durch den Arzt oder das Pflegepersonal erfolgen, um eventuelle Rückfragen sofort beantworten zu können und die Beteiligung am Fragebogen-Projekt zu erhöhen. Die Beantwortung kann anonym oder mit Namen und Telefonnummer erfolgen, damit wir bei Unklarheiten mit den Eltern nochmals Kontakt aufnehmen können.

Am Eingang der Station hängt ein Briefkasten zum Einwerfen der beantworteten Fragebögen. Wir leeren in der Regel den Briefkasten einmal im Monat. Die Auswertung und weitere Bearbeitung erfolgt im Qualitätszirkel nach folgendem Vorgehen:

  • Auswertung
  • Planung von Maßnahmen
  • Umsetzung von Veränderungen
  • Kontinuierliche Auswertung der gewonnenen Erfahrungen im Qualitätszirkel

Auswertung der Fragebogen-Ergebnisse

Durch die ständige Auswertung der Fragebögen konnten wir unterschiedlichste Meinungen, Verbesserungsvorschläge, positives wie kritisches Feedback und Hinweise auf Schwachstellen sammeln. Als Beispiel sind die Ergebnisse der Kinder und Jugendstation des repräsentativen Zeitraums vom November 2004 dargestellt.

Abb.: Ergebnisse der Auswertung des Elternfragebogens 2004. Der Prozentsatz der Antwort (senkrechte Skala) zu den elf Fragen (waagrechte Skala); Fragestellung siehe Unterkapitel (es wird der Prozentsatz der ergebenen Noten von 1–6 dargestellt)

Abb.: Durchschnittsnote der Umfrage bei den Eltern 2004. Die aus den Fragebögen errechnete Durchschnittsnote für jede der 11 Fragen (Fragestellung siehe Kapitel 4.6.2) ist dargestellt

Bei 177 Aufnahmen (ohne Intensivstation) wurden 52 Fragebögen (29,4 %) zurückgegeben. Die Fragen 1–11 entsprechen den 11 Fragen in Kapitel 4.6.2. Die Umfrageergebnisse auf der Intensivstation waren in den Jahren 2004/2005 noch besser als die auf der Kinder- und Jugendstation und werden hier nicht gesondert dargestellt. In den regelmäßigen Besprechungen wurden Maßnahmen geplant und umgesetzt. Ein Beispiel dafür ist der neu entwickelte Kinderspeiseplan.

Abb.: Der Kinderspeiseplan auf der Kinderstation. Der Speiseplan wurde im Laufe der Jahre, beeinflusst durch den Umfragebogen des Qualitätsmanagements, immer wieder geändert und fortentwickelt

Aus den Ergebnissen der Befragung konnten zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten abgeleitet werden. Durch die Zusammenarbeit mit den jeweils betroffenen Bereichen konnten gezielte Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden.

Ziele des Fragebogenprojektes sind:

  • Messen der Zufriedenheit der Eltern stationär behandelter Kinder
  • Schwachstellen finden
  • Meinungen sammeln
  • Verbesserungsvorschläge umsetzen
  • Positives Feedback für die Mitarbeiter
  • Negative Rücklaufquote nicht > 20 % (Note 4–6)
  • Bei den Mitarbeitern Interesse an der kontinuierlichen Verbesserung wecken
  • Förderung der Kommunikation
  • Steigerung der Mitarbeitermotivation durch Lob und Anerkennung

Das anfängliche Bedenken, dass durch die Befragung eine Beurteilung einzelner Mitarbeiter erfolgen könnte, hat sich als gegenstandslos erwiesen. Die positiven Ergebnisse der Befragung werden als Lob und Anerkennung der eigenen Tätigkeit aufgefasst und als Ansporn für weitere Verbesserungen betrachtet.

Zum Schluss möchten wir bemerken, dass die Ergebnisse wie deren Umsetzung in der Abteilung die Kommunikation und Kooperation untereinander wesentlich gefördert haben. Es ist offensichtlich, dass eine Befragung der Eltern stationär behandelter Patienten sehr aufschlussreich sein kann und dies ein weiterer Schritt zum Erreichen unseres Zieles ist:

"Die ganzheitliche, bestmögliche PFLEGE und THERAPIE unserer kleinen Patienten."



Copyright ZKJ
Altötting und
nytec-multimedia
2014