Seelsorge in der Kinderstation

„Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme, dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie“. (Mk 10,13-16)

Sie sind jetzt mit ihrem Kind im Krankenhaus, herausgerissen aus der gewohnten Umgebung, getrennt von den vertrauten Menschen. Das ist für Sie als Mutter und als Vater eine ganz besonders schwierige Situation. Sie befinden sich in einer fremden Umgebung, Sie müssen sich auf viele neue, auch ungewohnte Dinge einstellen. So manches verursacht da bei Ihnen und auch bei Ihrem Kind ein beklemmendes Gefühl. Das ist auch ganz normal, weil sie einfach noch keine Erfahrung mit der Klinik haben und diese Situation zum ersten Mal durchleben. Auch der klinische Tagesablauf verlangt von Ihnen eine enorme Flexibilität und emotionale Kraft. Da ist soviel Bewegung auf der Krankenstation. Von frühmor gens bis in den Abend hinein sind Men schen um Sie und um Ihr Kind herum. Ärzte, Schwestern und Therapeuten, zwischendurch der Reinigungsdienst und dann kommt wieder das Essen. – Immer ist etwas los. Ihr Kind hat ständig mit Menschen zu tun, die ihm fremd sind und die etwas an ihm machen. Das geht von den Untersuchungen zum Verbandwech sel bis hin zum Medikamente Verabreichen. All das beeinflusst auch Ihr Kind, weil es diese Vorgänge noch nicht kennt. Trotz aller medizinischer Zuwendung und pflegerischer Fürsorge spürt man manch mal aus dieser Situation heraus Hilflosigkeit. Charakteristisch für diese Krankenhaus situation ist auch, dass mit dem Kind in der Klinik irgendwie die ganze Familie betroffen ist.

Ich bin katholischer Klinikseelsorger und Vater von drei Kindern. Ich fühle mit Ihnen und weiß aus eigener Erfahrung, wie Ihnen zumute ist und welche Hürden Sie nehmen müssen, wenn sie mit ihrem Kind in diesem „System“ Krankenhaus stecken.

Wir von der Klinikseelsorge wollen in diesen sorgenvollen und oft schweren Zeiten während des Klinikaufenthalts Ihres Kindes für Sie und Ihr Kind da sein. Es ist uns ein Anliegen, die Zuwendung Gottes zu den Menschen deutlich werden zu lassen. Gott lässt Sie in dieser schweren Zeit mit Ihren Sorgen und Nöten nicht allein. In der biblischen Aussage ganz am Anfang dieses Textes soll das eindeutig in den Vordergrund gestellt werden. Wir bieten Ihnen unsere Begleitung an. In der Regel steht bei Besuchen das Gespräch im Vordergrund. Wir orientieren uns aber auch an anderen kommunikativen Möglichkeiten Ihres Kindes, wie etwa schaukeln, spielen, vorlesen usw. Kinder leben im Krankenhaus mit ihren ganz besonderen Befindlichkeiten, Ängsten und Bedürfnissen. Sie dort aufzusuchen und zu begleiten ist eines unserer Ziele. Diese Begleitung soll nicht geschehen, um möglichst unproblematisch ein gesetztes Ziel zu erreichen, sondern um des einzelnen Kindes selbst willen.

Die elementare Liebe Gottes zu den Menschen, die er über alles liebt, soll in der Begegnung, im miteinander Gehen, aber auch in der Feier der Sakramente zum Ausdruck kommen. Ganz besonders die Taufe spielt bei Kindern, die in ihrem Leben bedroht sind, eine große Rolle. Was sich in der Begleitung, bei Gesprächen, beim Spielen und Vorlesen verfestigt, kann in kirchlichen, christlichen Ritualen seinen bestimmenden Ausdruck finden. Wir haben hier am Krankenhaus eine Kapelle, die Ihnen Raum bietet, um einmal in Stille bei sich und bei Gott zu sein. Sie bietet Raum, um Klage und Angst, aber auch um Lob und Dank seinen besonderen Platz zu geben.

Es gibt aber auch die Möglichkeit für christliche Rituale am Krankenbett oder auf der Station. Ich denke da im Besonderen an die Krankensegnung. Vielleicht tut es Ihnen als Mutter und Vater im Herzen gut, wenn in der Krisenzeit der Krankheit durch den guten Zuspruch Gottes die Heilskraft Jesu Christi auf Ihr Kind kommt.

Sie haben jetzt diesen Brief gelesen und Sie werden sich die Hilfe suchen, die Sie gerade jetzt brauchen. Sie werden selbst herausfinden, was Ihnen gut tut. Es spielt für uns Seelsorger keine Rolle, welcher Konfession Sie angehören oder ob Sie gar keiner Kirche angehören. Wir von der katholischen und evangelischen Klinikseel sorge bieten Ihnen ganz offen unsere Hilfe an und wollen Sie ermutigen uns in Anspruch zu nehmen.

Gott gebe dir für jeden Sturm einen Regenbogen, für jede Träne ein Lachen, für jede Sorge eine Aussicht und eine Hilfe in jeder Schwierigkeit. Für jedes Problem, das das Leben schickt, einen Freund, es zu teilen, für jeden Seufzer ein schönes Lied und eine Antwort auf jedes Gebet.

Diakon Heribert Wagner Klinikseelsorger KSA



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