Das Spielzimmer in der Kinderabteilung

oder Lachen und Freude sind die beste Medizin

Johanna Schmidt

Das grundlegende Bedürfnis des kranken Kindes ist zunächst immer die Nähe zur Bezugsperson, in der Regel Mutter oder Vater. Dem Bedürfnis nach Nähe zu den vertrautesten Personen ist auch das Bedürfnis nach Fortsetzung der gewohnten Lebensabläufe zuzuordnen: Ess- und Schlafgewohnheiten, aber auch Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Hier bietet die pädagogische Betreuung auf der pädiatrischen Station der Kreisklinik Altötting Hilfe und Unterstützung. Ein Tag im Krankenhaus vergeht für die kleinen Patienten wesentlich langsamer als zu Hause. Die Kinder werden sowohl am Krankenbett und insbesondere im Spielzimmer beschäftigt.

Das "Spielzimmer im Krankenzimmer"

Jeden Morgen (Montag bis Freitag) begrüße ich die jungen Patienten im Krankenzimmer und frage nach ihren Spielwünschen. Nahezu alle Spiele plus Kassettenrekorder/ Kassetten können ausgeliehen werden. Im Spiel miteinander aktivieren Kinder ihre Kräfte. Das Spiel befreit gleichzeitig von seelischen Nöten und Belastungen. Je älter das Kind ist, desto häufiger kann das Krankenhaus zu einem Ort werden, an dem positive soziale Kontakte entstehen.

Abb.: Spiel am Bett mit der Erzieherin aus dem Spielzimmer bei bettlägerigen Kindern und Jugendlichen

Das zentrale Spielzimmer auf der Station

Das Spielzimmer bietet Kindern im Alter von 1–15 Jahren vielfältige Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten.

Abb.: Frau Ixmeier im Spielzimmer mit Patienten der Kinderstation

Es ist ausreichend mit Spielen für die verschiedensten Altersstufen ausgestattet, z. B. Bausteine (Duplos-Legos Holzbausteine, Kugelbahnen, Einlegebretter und Puzzles, Würfelspiele, Brettspiele, Kartenspiele und natürlich Bücher. Lustig, spannend, gruselig, aufregend, manchmal auch ein wenig traurig – so wünschen sich die Kinder im Krankenhaus ihre Bücher.

Abb.: Blick in das Spielzimmer, in dem Kinder und Jugendliche eine Abwechslung zum stationären Alltag finden

Sie sollen ihnen helfen, die Schmerzen und Ängste für kurze Zeit zu vergessen.

Was wird im Spielzimmer gemacht?

Ins Spielzimmer kommen alle Kinder, die aus ärztlicher Sicht weit genug genesen sind. Es ergeben sich altersspezifische Gruppen.

Die Kleinsten (1–3 Jahre) bauen mit Klötzen etc., spielen mit Puppen und Bären und erfreuen sich an Fingerspielen, Kniereiterversen und Bilderbüchern.

Im Vorschulalter (4–6 Jahre) wird das Spiel mit anderen, d. h. in der Gruppe wichtig. Es stärkt das Selbstvertrauen und hilft, Hemmungen abzubauen (Rollenspiele).

Schulkinder nehmen Inhalte und Themen der Spiele ernst, deshalb sollen diese anspruchsvoll und spannend sein (Strategiespiele).

Mit Pinsel und Farbe, Papier, Naturmaterialien, Perlen, Holz und anderen Materialien wird kreativ gearbeitet. Von Zeit zu Zeit gestalten wir – die Kinder, die Krankenhauslehrerin und ich, die Erzieherin des Spielzimmers – eine Projektwoche. Beispielsweise zum Thema "Frühling" wurden folgende Aktivitäten durchgeführt: Ostergras säen – Eierfärben – Palmbusch binden – Osterhasengeschichte spielen.

Für das kranke Kind im Bett eignen sich Fingerspiel, Vorlesen und Erzählen, Knüpfen, Flechten, Magnetspiel und Handpuppen.

Welchen Nebeneffekt hat das Spielzimmer noch?

Die unbeschwerte Atmosphäre des Spielzimmers und ein offenes Ohr wirken auch auf Eltern beruhigend. Gespräche helfen den Angehörigen, die durch eigene Ängste häufig verunsichert sind, die Situation des Kindes im Krankenhaus leichter zu nehmen.

Der Vormittag im Spielzimmer vergeht im Nu, und die Frage, ob nachmittags wieder geöffnet sei, zeigt, dass die Kinder dieses Angebot gerne annehmen.



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