Jahr 1984

Prof. Dr. Ronald G. Schmid

Zum 01. Juli 1984 trat Chefarzt Dr. Paul Hammer in den Ruhestand. Bis zur Übernahme der Chefarztposition durch mich am 15. Juli 1984 versorgte Frau Oberärztin Dr. Segolena Storch das Kinderkrankenhaus Tag und Nacht ganz alleine. Sie lebte in einer bescheidenen Wohnung im Hause und war somit ständig ansprechbar und erreichbar.

Abb.: Frau Oberärztin Dr. Storch, die noch in das Kreiskrankenhaus Alt-/Neuötting mit umzog und bis Mitte 1987 dort als Oberärztin den Aufbau der Abteilung tatkräftigunterstützte

Vom Gang des Erdgeschosses kam man zunächst in das so genannte Wohnzimmer, das als zentraler Besprechungsraum diente, in dem auch einmal eine Tasse Kaffee getrunken wurde bzw. der Chefarzt einen Zwieback-Obst-Brei in der Milchküche zubereitet bekam, um ihn dann zusammen mit Schwester Oberin Myra und Frau Oberärztin Dr. Storch in der gemütlichen Atmosphäre während der Besprechung zu trinken.

Diese Atmosphäre im Kinderkrankenhaus St. Elisabeth, die ich noch bis zum Umzug im Juni 1985 in das neue Kreiskrankenhaus Alt-/Neuötting miterleben durfte, war ein unwiederbringliches Erlebnis. Es wurde hart gearbeitet. Auch wenn die Patientenzahlen niedrig waren, so darf nicht vergessen werden, dass zwei Ärzte den gesamten ambulanten und stationären Betrieb über 30 Jahre zu bewältigen hatten.

Herr Chefarzt Dr. Hammer und Frau Oberärztin Dr. Storch haben damit ein nicht einschätzbares Lebenswerk vollbracht und mit dem Seraphischen Liebeswerk zusammen die Voraussetzung dafür geschaffen, dass am Kreiskrankenhaus Alt-/Neuötting eine Kinderabteilung fortgeführt werden konnte. Andererseits war Zeit für Gespräche, für grundsätzliche Erwägungen und eine intensive Betrachtung der Probleme eines Patienten. Es wurde eine moderne Form von Sozialpädiatrie praktiziert, allerdings noch ohne Sozialpädiatrisches Zentrum. Das Labor wurde noch weitgehend in Eigenarbeit bewältigt, für komplizierte Fälle wurde ein externes Labor herangezogen und ab Mitte 1984 auch mit dem Labor des damaligen Krankenhauses Altötting zusammengearbeitet.

Die Röntgenanlage war auf einem für damalige Verhältnisse modernen Stand. Eine Besonderheit war die Milchküche, in der ein breites Spektrum von verschiedenen Milchmodifikationen und Nahrungen zubereitet wurde.

Abb.: Schwester Rainalda in der Milchküche des Kinderkrankenhauses St. Elisabeth beim Zubereiten der Nahrung für die Säuglinge

Die Möglichkeit für Eltern, während der Besuchszeiten zu ihren kranken Kindern zu kommen sowie eventuell sogar mit aufgenommen zu werden, war bereits geschaffen und wurde kontinuierlich ausgebaut. Sowohl das Kinderkrankenhaus als auch das Seraphische Liebeswerk hatten schon frühzeitig die Problematik erkannt, die bis auf den heutigen Tag allen alleinstehenden, kleineren Kinderkliniken zu Eigen ist. Mit der zunehmenden Technisierung der Medizin und der, auch dadurch bedingt, zunehmenden Notwendigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit war die Arbeit sehr schwierig geworden. Die fehlende zentrale Gasversorgung, die Notwendigkeit eines 24Stunden-Labors und viele andere Dinge mehr wurden zwar durch hohen Personaleinsatz kompensiert, waren aber insbesondere im Hinblick auf die erforderlichen Ausbaumaßnahmen längerfristig so nicht mehr zu tolerieren. Dies wurde bereits in einem Schreiben von Amtsarzt Dr. Mayr vom 31.01.1978 an das Landratsamt und das Seraphische Liebeswerk e. V. niedergelegt. Dieses Schreiben, und dies sei hier ausdrücklich erwähnt, wurde im Einverständnis mit dem Seraphischen Liebeswerk und mit der Leitung des Kinderkrankenhauses erstellt. In Kenntnis der damals schon laufenden Diskussion zum Bau eines neuen Kreiskrankenhauses wurde die Notwendigkeit gesehen, eine Kinderstation in dieses Projekt mit einzubeziehen.

Abb. 3.3 Schreiben des Amtsarztes Dr. Mayr vom 31.01.1978 an das Landratsamt und das Seraphische Liebeswerk e. V. mit der Forderung nach Integration der Kinderabteilung in das Kreiskrankenhaus Altötting

Somit lag das erste Jahr meiner Tätigkeit in Altötting zwar im Kinderkrankenhaus, aber schon bei der Einstellung war der Umzug in das neue Kreiskrankenhaus Vertragsgrundlage.



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