Grundlagen der Montessori-Pädagogik

Das Ergebnis der teilnehmenden Beobachtung war die Entdeckung der so genannten "Schlüsselphänomene". Damit meint Montessori "die Polarisation der Aufmerksamkeit", die "sensiblen Perioden" und den "absorbierenden Geist", die allesamt dem kindlichen Selbstentwicklungsprozess dienen.

Unter dem montessorianischen Begriff "Polarisation der Aufmerksamkeit" ist eine Loslösung von der äußeren Welt durch Aufmerksamkeit für einen bestimmen Gegenstand zu verstehen, der das Kind in einer vorbereiteten und offenbarenden Umwelt anspricht und durch die Vereinigung von Konzentration, Sammlung, Versenkung und Vertiefung in eine Sache eine Verinnerlichung bewirkt. Oft ist ein Kind z. B. in eine Arbeit so vertieft, dass es gar nicht ansprechbar ist.

Die "Polarisation der Aufmerksamkeit" beeinflussen bestimmte "sensible Perioden", die in der Entwicklung des Kindes festgestellt wurden. Es handelt sich dabei um besondere Empfänglichkeiten und besondere Sensibilitäten für ein bestimmtes Tun und die für das Kind besonders interessanten Themen. Diese sensiblen Phasen sind von vorübergehender Dauer und dienen dazu, den Erwerb bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten zu ermöglichen.

Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empfänglichkeit wieder ab. Das Kind kann sich dann dem nächsten zuwenden. So kann z. B. die grobmotorische Entwicklung über das Krabbeln zum Hochziehen an Möbeln entlang zum freien Gehen führen.

Die dabei unbewusste Tätigkeit der Intelligenz wird als "absorbierender Geist" bezeichnet. Das Kind absorbiert aus der Umgebung selbst, ohne bewusste Anstrengung. So nimmt der Mensch bereits ab dem Säuglingsalter am Kulturleben teil, nimmt Kultureindrücke auf und kann sich seinem Kulturkreis anpassen wie nie wieder in seinem Leben. Der Erwerb der Muttersprache sowie von Fremdsprachen im Kleinkindalter fällt deutlich leichter als im Schul- und Erwachsenenalter. Der absorbierende Geist baut sich nach und nach selber ab zugunsten des fortschreitend wachsenden Bewusstseins.

Über die beobachteten und beschriebenen Schlüsselphänomene kam Montessori zu einer anderen Sichtweise des Kindes. Sie sah das Kind als "Baumeister seiner selbst".



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