Musiktherapie

Katrin Kreuz

Musiktherapie – drei Fallbeispiele

"Hallo, bist du da?", beginnt das Begrüßungslied, das die vierjährige Susanne immer und immer wieder spielen möchte und sich dabei unglaublich anstrengt, die Trommelstöcke in ihren Händchen zu halten und die Trommel zu schlagen. Das Mädchen hat eine schwere Entwicklungsstörung.

Susanne kann nicht sprechen und ist unsicher in ihren Bewegungen. Ihre Eltern berichten, dass Susanne sehr unruhig sei und sich nur für sehr kurze Zeit einem Spiel zuwenden könne. Das Ziel unserer gemeinsamen Musiktherapiestunden ist es, den Kontakt und die Kommunikation von Susanne zu verbessern, um ein lustvolles, gemeinsames Spiel mit ihren Eltern zu ermöglichen. Zu Beginn der Therapie läuft Susanne unentwegt durch mein Therapiezimmer. Nichts scheint sie besonders zu interessieren.

Ich rufe sie mit meinem "Hallo"- Lied. Kurz läuft sie zu mir, schlägt mit Ihren Händen auf die Trommel und ist schnell wieder weg. Ein erster Kontakt – nur ein Augenblick, aber wichtig für das weitere Zusammensein. Stark strukturierte Lieder und Spiele mit vielen Wiederholungen werden Susanne helfen, den Kontakt zu mir aufzubauen. Damit sie im Spiel die Orientierung nicht verliert, darf sie Bekanntes an den Spielen wieder entdecken.

Abb.. Ich trete in Kontakt

Dazu braucht und gibt es natürlich noch eine ordentliche Portion Lob.

Thomas war, bevor er zur Musiktherapie kam, sehr autoaggressiv, oft hat er sich in die Finger gebissen. Thomas ist Autist. Nach den ersten Stunden des Kennenlernens entdecke ich seine große Begeisterung für Lieder und überhaupt für Musik. Thomas, der nicht spricht, kann sich erstaunlich schnell Texte und Melodien merken. Die Eltern berichten, er freue sich immer schon sehr auf seine Stunden. Mir macht es viel Spaß, gemeinsam mit ihm zu musizieren. Eines Tages entdeckt Thomas, dass auch er Lieder anstimmen kann. Wir kommunizieren bald sehr intensiv auf musikalische Art und Weise. Thomas sucht Rhythmusinstrumente und begleitet fröhlich sein Singen. Seine Eltern berichten Folgendes: Wenn Thomas sehr unruhig wird, stimmen sie Lieder an, die ihm auch zu Hause helfen, ruhiger zu werden. Autoaggressiv ist er, nach Angaben der Eltern, nicht mehr.

Von Felix berichten die Eltern, dass er schüchtern und ängstlich sei. Er vermeidet das Spiel mit anderen Kindern, und in der Mutter-und-Kind-Gruppe hängt er sich an den Rockzipfel der Mama. In einer Musiktherapiegruppe konnte Felix die Erfahrung machen, wie viel Spaß es macht andere Kinder kennen zu lernen, mit ihnen zu spielen und Kinderlieder zu singen. Er lernte mit der Musik zu spielen, sich musikalisch auszudrücken und so in Kontakt mit anderen zu kommen. Er machte die Erfahrung, wie es ist, von anderen Kindern verstanden zu werden. Im Verlauf der Therapie erweiterte er erfolgreich seine eigenen sozialen Kompetenzen. Entscheidend ist der Aufforderungscharakter der Instrumente und der Musik, der den Kindern hilfreich entgegenkommt und so gute Gelegenheiten zu Veränderungen der Erlebniswelt, der eigenen Position und des bisherigen Verhaltens bietet. Bei Felix konnte das gemeinsame Spiel auffallend schnell den Mut und das Selbstbewusstsein in der Gruppe fördern. Wenn Eltern vom Kinderarzt im Sozialpädiatrischen Zentrum für ihr Kind Musiktherapie empfohlen bekommen, möchten sie wissen wie Musiktherapie wirkt. Es bewegen sie Fragen wie:

  • Was ist Musiktherapie?
  • Welche Musiktherapie hilft meinem Kind?
  • Bei welchen Störungen und Krankheiten kann sie hilfreich eingesetzt werden?
  • Wird in der Therapiestunde nur gesungen, Musik gehört oder gespielt?
  • Müssen die Kinder musikalisch sein?



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