Allgemein- und Viszeralchirurgische Versorgung

Prof. Dr. Jürgen Roder, Dr. Johann Kistler, Dr. Klaus Gerauer, Dr. Susanne Bayerköhler

Elementare Voraussetzung einer qualitativ hochwertigen Kinderchirurgie ist es, den Bedürfnissen des Kindes und seiner Familie gerecht zu werden. Was ist unter kindgerechter Versorgung für die Allgemeinund Viszeralchirurgie zu verstehen?

Kindgerechte Versorgung

Zuallererst ist hierzu ein möglichst kurzer Aufenthalt in der Klinik zu fordern. Wir versuchen dieser Forderung gerecht zu werden, indem wir Kinder, sofern es die medizinische Situation zulässt, einer ambulanten Behandlung zuführen. Natürlich ist hierzu eine enge Zusammenarbeit zwischen Klinikärzten, niedergelassenen Kollegen und der Familie des Kindes notwendig. Die Klinik muss als Ansprechpartner jederzeit verfügbar sein.

Im konkreten Fall bieten wir einen Großteil der kinderchirurgischen Operationen ambulant an. So wird ein Kind vor einer elektiven Operation in der chirurgischen Sprechstunde von dem Chefarzt oder einem der Oberärzte gesehen. Das Kind wird untersucht, die Indikation zur Operation gestellt und es erfolgt die Aufklärung über die Art des Eingriffes.

Abb.: Indikationsstellung und Untersuchung vor der Operation bei Blinddarmentzündung durch Prof. Jürgen Roder

Selbstverständlich müssen alternative Behandlungsmethoden, so auch die Möglichkeit einer konservativen Therapie, besprochen werden. Auch die Aufklärung über mögliche Operationsrisiken erfolgt während dieses Gesprächs. Anschließend wird der kleine Patient in der Prämedikationssprechstunde der anästhesiologischen Abteilung vorgestellt.

Am Tag der ambulanten Operation stellt sich das Kind auf der Kinderstation vor und wird am Morgen von einem Kinderarzt und einem Chirurgen untersucht.

Meistens können die Kinder bis zum Mittag oder frühen Nachmittag, nachdem sie postoperativ nochmals von einem Kinderarzt und einem Chirurgen untersucht wurden, nach Hause entlassen werden. Notwendig ist eine umfassende Information des Kindes und der Eltern über den durchgeführten Eingriff und die postoperativ notwendigen Maßnahmen.

Selbstverständlich ist unser Ziel auch bei einer ambulanten Behandlung, die Anwesenheit einer Bezugsperson des Kindes zu ermöglichen. Noch wichtiger wird dieser Aspekt im Falle einer stationären Behandlung. In enger Zusammenarbeit mit der pädiatrischen Abteilung kann die Anwesenheit eines Elternteils meist gewährleistet werden.

Die Forderung nach einer kindgerechten Chirurgie erstreckt sich natürlich auch auf den Eingriff selbst: Unser Ziel ist es, soweit möglich und sinnvoll, minimal invasive Behandlungsmethoden ("Schlüssellochchirurgie") anzuwenden, um auch den kleinen Patienten die bekannten Vorteile zukommen zu lassen.

Abb.: Vor der laparoskopischen Operation werden die drei Inzisionsstellen markiert. Diewenigen kleinen Narben sind gerade bei Kindern als großer Vorteil anzusehen

Gerade bei Kindern liegt der Vorteil eines minimal invasiven Zuganges auf der Hand: Entsprechend der Größenentwicklung des Kindes wird auch die Narbe später "mitwachsen". Deshalb werden in unserer Abteilung zunehmend auch Kinder minimal invasiv operiert. Ab ca. sechs Jahren bieten wir beispielsweise eine laparoskopische Blinddarmentfernung an. Mit zunehmender Häufigkeit wird auch im Jugendalter eine Entfernung der Gallenblase erforderlich. Dieser Eingriff erfolgt an unserem Haus standardisiert minimal invasiv.

Schließlich ist unter kindgerecht auch eine heimatnahe Versorgung zu verstehen. Deshalb versuchen wir ein breites Spektrum an operativen Eingriffen an der Kreisklinik Altötting anzubieten. Außer Frage steht natürlich, dass bestimmte seltene Eingriffe, wie die Behandlung schwieriger kindlicher Organfehlbildungen oder Organtumore, in einem spezialisierten Zentrum erfolgen sollten. Diesbezüglich stehen wir in enger Kooperation mit den kinderchirurgischen Kliniken in München.

Spektrum der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie in der Kinder- und Jugendmedizin

Zu unseren wichtigsten Aufgaben gehört – gemeinsam mit den Kinderärzten – die ambulante und stationäre Betreuung von Kindern mit Bauchschmerzen, deren Ursache oft chirurgische Erkrankungen sind. Die zahlenmäßig häufigsten Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Allgemein- und Viszeralchirurgie betreffen die Blinddarmoperation, die Chirurgie des Nabel- und Leistenbruches sowie Eingriffe bei entzündlichen Weichteilprozessen und Lymphknotenvergrößerungen. Aber auch Gallenblasenentfernungen bei Jugendlichen, Verschlüsse des Magen Darm-Traktes, Hohlorgandurchbrüche (z. B. durch ein Magengeschwür) und andere akute oder chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes gehören zum Spektrum.

Bei allen Notfalleingriffen ist im Regelfall die stationäre Behandlung erforderlich. Zunehmend erfolgen auch diese Eingriffe in minimal invasiver Technik. So konnten im Jahr 2004 etwa 50 % der bei Kindern und Jugendlichen durchgeführten Blinddarmoperationen laparoskopisch erfolgen.

Bei den Elektiveingriffen (z. B. Nabel- und Leistenbruch) kann fast immer eine ambulante Versorgung angeboten werden.



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