Unfallchirurgische Versorgung

Dr. Werner Wambach, Dr. Ludwig Gutermuth, Dr. Isabell Schwarzenbeck

Für die unfallchirurgische Abteilung an der Kreisklinik Altötting stellt die Behandlung verletzter Kinder eine ganz wesentliche Aufgabe dar. Jährlich werden hier über 2000 Kinder ambulant oder stationär wegen Unfallfolgen behandelt.

Abb.: Darstellung der in der Unfallchirurgie versorgten Patienten bis 18 Jahre im Jahr2004 unter besonderer Berücksichtigung der Frakturen

Organisationskonzept

Gemäß dem kindertraumatologischen Grundsatz, so viel wie möglich ambulant zu behandeln, überwiegen ambulante und tagesstationäre Aufenthalte. Dies beinhaltet auch Eingriffe in Narkose wie geschlossene Repositionen, aber auch operative Frakturversorgungen. Demgemäß verbleibt eine eher geringe Anzahl von Kindern, die stationär behandelt werden müssen. Dies geschieht in enger Kooperation mit den Kollegen der Pädiatrie, so dass eine kindgerechte Versorgung dieser Patienten unter entsprechender chirurgisch-konsiliarischer Betreuung gewährleistet ist. Die Behandlungen selbst werden von Ärzten der Abteilung für Unfallchirurgie durchgeführt, die für die Behandlung von Kindern speziell geschult werden. Die kleinen Patienten werden von zwei Operateuren verantwortlich operiert, die zusätzliche Qualifikationen im Bereich der Kindertraumatologie erworben haben (Weiterbildung). So ist eine kontinuierliche, kompetente Versorgung der kindlichen Verletzungen gewährleistet. Die Abteilung für Unfallchirurgie setzt alle modernen operativen Verfahren ein, die speziell für Kinder in den letzten Jahren entwickelt worden sind. Zu den besonders kindgerechten Implantaten zählen Spickdrähte, kanülierte Schrauben, Prevot-Nägel und der Fixateur externe. Diese Verfahren haben alle den Vorteil der minimal invasiven und damit wenig traumatisierenden Versorgung.

Die Behandlung beinhaltet immer eine Beratung der Kinder und Eltern. Die Möglichkeiten und Grenzen der modernen Verfahren bzw. die Alternativen werden ausführlich besprochen. Gerade bei der sensiblen Konstellation Kind - Eltern - Arzt ist die Mitarbeit der Patienten und ihrer Angehörigen essenziell. Im Rahmen der stationären Aufnahme wird ein "Roomingin", d. h. eine Mitaufnahme eines Elternteils, in begrenzten Fällen ermöglicht.

Leistungsspektrum

Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Behandlung so genannter "banaler", d. h. alltäglicher Verletzungen wie Schnittwunden, Prellungen oder einfachen Frakturen. Gerade hier ist eine kindgerechte und rücksichtsvolle Behandlung von großer Bedeutung. Keinesfalls darf bei den Kindern eine Grundangst gegenüber Ärzten und medizinischem Personal erzeugt werden.

Das therapeutische Spektrum reicht von diesen banalen Verletzungen über Körperstammund Extremitätenverletzungen unterschiedlicher Ausprägung bis zu Notfalleingriffen wie z. B. der Entlastung von epiduralen Hämatomen (Blutansammlungen zwischen Hirnhaut und Schädeldecke), die akut lebensbedrohlich sind (s. Abb. 10.4). Häufig zu behandelnde Frakturen sind neben dem Speichenbruch z. B. die supracondyläre Oberarmfraktur (s. Abb. 10.5) und der Unterarmbruch (s. Abb. 10.6). Der Leiter der Abteilung für Unfallchirurgie ist Durchgangsarzt und damit voll zur Behandlung von Kindergarten-, Schul- und Wegeunfällen (BG-Heilverfahren) zugelassen; ferner ist die Abteilung für Unfallchirurgie für die Behandlung der schweren Verletzungen im Sinne des Verletzten-Arten-Verfahrens zugelassen.

Behandlungskonzept

Die Behandlungspfade umfassen die kindgerechte Therapie durch den aufnehmenden Arzt, die sachkundige Interpretation der erhobenen Untersuchungsbefunde und nach gestellter Diagnose und Abwägung der möglichen Behandlungsalternativen die Information und Beratung der begleitenden Eltern sowie den kompetent durchgeführten (operativen) Eingriff (in Anästhesie) durch den Unfallchirurgen. Die Nachbehandlung unterliegt ebenfalls besonderen Kriterien und geschieht in Abstimmung mit dem Behandler.

Abb.: Trepanation eines akuten epiduralen Hämatoms und Folgezustand (obere Reihe am Unfalltag, untere Reihe nach 2 Monaten)

Mit der Unfallchirurgie im Zentrum, aber in enger Kooperation mit den Fachabteilungen Pädiatrie, Anästhesie sowie den Abteilungen für Krankengymnastik und physikalische Medizin, ist an der Kreisklinik Altötting eine durchgehend kindorientierte Behandlung von Verletzungen organisiert.

Die Abteilung für Unfallchirurgie selbst veranstaltet noch deutschlandweit besuchte Aus- und Weiterbildungen in der Kindertraumatologie, was dazu führt, dass auch viele Kollegen aus der Abteilung für Unfallchirurgie mittlerweile überdurchschnittliche Kompetenz in der Behandlung verletzter Kinder besitzen.

Zukunftsüberlegungen

Für die Zukunft ist gerade angesichts der hohen Fallzahlen und der erheblichen Relevanz von Verletzungen im jungen Alter die kontinuierliche Weiterentwicklung der Kindertraumatologie geplant. Auch im Aufspüren von Kindesmisshandlung und kindlichem Missbrauch werden die Chirurgen entsprechend geschult, denn sie sind oft die erste Anlaufstation für betroffene Kinder. Bei Verdacht kann dann in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Pädiatrie und dem Sozialpädiatrischen Zentrum ein entsprechendes weiteres Behandlungskonzept entwickelt werden, das im individuellen Fall den Schaden für das Kind und für die Familie begrenzen kann. Gerade im Bereich der durchgangsärztlichen Behandlung (Schulunfälle), die der unfallchirurgischen Abteilung aufgetragen ist, ist eine Zunahme verletzter Kinder durch die Taten und Aktionen von anderen Kindern festzustellen. Die Abteilung für Unfallchirurgie ist für die Aufgaben der Zukunft gerüstet, die Abteilungsstruktur umfasst ein in sich gefestigtes Team von Kollegen, die auch die

Abb.: Operative Versorgung einer supracondylären Oberarmfraktur mit kanülierten Schrauben

Abb.: Operative Versorgung einer Unterarmfraktur mit Prevot-Nägeln

Aufgaben der Zukunft in kompetenter Art und Weise angehen werden.



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