Physiotherapie auf der Kinderstation

Die Physiotherapie betreut auf der Kinderstation ein breites Spektrum von Krankheiten. Von besonderer Bedeutung ist die atemtherapeutische Betreuung von Patienten mit Krankheiten der Atemwege wie z. B. Asthma bronchiale und chronische Bronchitis. Ein weiteres großes Betätigungsfeld sind Muskelerkrankungen, z. B. in Form von Gesichtslähmungen nach Hirnhautentzündung, aber auch von angeborenen und erworbenen Muskelerkrankungen im Bereich der Arme und Beine. Von zunehmender Bedeutung sind die Haltungsschwächen, vorwiegend bei älteren Kindern und Jugendlichen, die zu Schmerzen und sekundären Erkrankungen führen, so dass auch hier ein Behandlungsbedarf gegeben ist. Ein spezielles Feld ist die Betreuung operierter Kinder (z. B. nach Knochenbrüchen und anderen Unfallfolgen).

Atemtherapie bei Erkrankungen der Atemwege

Zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter gehören die Atemwegserkrankungen. Sie führen zu einer Verengung der Atemwege und dadurch bedingt zu einer Störung der Durchlüftung der Lunge. Neben der medikamentösen Versorgung kann die Physiotherapeutin Erleichterung verschaffen durch die so genannte Kontaktatmung. Die Therapeutin legt dabei ihre Hand auf die Flanken oder den Bauch des Kindes und versucht dadurch dem Kind ein etwas langsameres Atmen zu vermitteln. Die Wirkung zur Schleimlösung kann noch verstärkt werden durch leichtes Vibrieren bei der Ausatmung.

Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der Durchlüftung ist die Dehnungslagerung und die Lagerung mit einem speziellen Kissen. Dabei werden die Beine unterlagert, um den Bauch zu entspannen und somit die Eigenatmung zu erleichtern. Um das Gewicht der Arme vom Brustkorb zu nehmen, unterlagert man bei größeren Kindern die Arme und ermöglicht somit eine freiere Atmung. Blasübungen können schon sehr bald eingeführt werden. Sie ermöglichen durch die längere Ausatmung einen besseren Reiz für die Einatmung und somit eine gute Versorgung der Lunge mit Sauerstoff und den Abtransport des Schleims. Mit Hilfe der dosierten Lippenbremse – eine spezielle Ausatmung mit locker aufeinander gelegten Lippen – werden die Bronchien langsam entspannt, und der Schleim löst sich.

Abb.: Pustespiele zur Verlängerung der Ausatmung

Hierbei ist der spielerische Einsatz von Blasgeräten bei den Kindern sehr beliebt. Dazu gehören: Windrädchen, Blasrüssel, Pustefix und viele andere Blasgeräte.

Behandlung von Fazialisparesen (Gesichtsnervlähmung)

Kinder und Jugendliche mit einer Fazialisparese (eine Gesichtshälfte ist gelähmt) haben eine Lähmung der Gesichtsnerven, z. B. durch eine Infektion mit Borrelien, wie sie nach einem Zeckenbiss auftreten kann. Neben der medikamentösen Behandlung ist hier Physiotherapie von Anfang an notwendig. Die Kinder bekommen ein Blatt mit Abbildungen verschiedener Gesichtsgrimassen, die sie am besten dreimal am Tag üben müssen.

Abb.: Übungen für die Gesichtsmuskulatur bei Fazialisparese

Danach wird mit einem Eispäckchen die betroffene Muskulatur stimuliert und mit verschiedenen Massagegriffen aktiviert. Wie in einem "Fitnessstudio für das Gesicht" wird die Gesichtsmuskulatur intensiv trainiert. Ziel ist, dass die Kinder bei der Entlassung wieder "voll lachen" können.

Muskelerkrankungen

Bei Kindern mit Muskelerkrankungen wie z. B. einer Muskelatrophie oder -dystrophie baut sich die Muskulatur langsam ab. Die Physiotherapie ist eine wichtige Komponente. Oft sind die Kinder zur Einordnung der Diagnose auf der Station. Mit verschiedenen psychomotorischen Übungen werden das Gleichgewicht und die Körperkoordination verbessert. Zusätzlich ist eine intensive Atemtherapie notwendig, da die Atemmuskulatur auch betroffen sein kann. Auch die Eltern werden angeleitet, zu Hause mit ihren Kindern die Übungen in den Alltag zu integrieren.

Haltungsschwäche

Bei Jugendlichen und Kindern, die mit Kopf-, Rücken- oder Schulterschmerzen zur Abklärung kommen, wird neben der Diagnostik durch den Arzt ein physiotherapeutischer Befund erhoben. Die Jugendlichen werden angeleitet, Rückenund Bauchmuskulatur aufzubauen. Es wird trainiert, die aufrechte Körperhaltung in den Alltag zu integrieren und selbständig schmerzlindernde Entspannungstechniken einzusetzen, wenn es wieder "zwickt".

Behandlung nachKnochenbrüchen und Operationen

Nach einem Knochenbruch oder einer Operation kann auch heute noch eine Zeit der Bettruhe im Krankenhaus notwendig sein. Schnell baut sich die Muskulatur ab und der Kreislauf wird schwach. Die gesunden Körperteile werden zu kreislaufstabilisierenden Übungen herangezogen und der betroffene Körperteil wird langsam und schmerzfrei, je nach Freigabe durch den Arzt, mobilisiert.



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