7.2 Wie erfolgt die Behandlung?

Eine Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erfolgt heute meistens multimodal. Das bedeutet nichts anderes, als dass unterschiedliche Berufsgruppen versuchen, den Besonderheiten des einzelnen Patienten in gemeinsamer Behandlung gerecht zu werden. Sie können unter den Kapiteln Ergo-, Musik-, Kunst-, Logo- und Physiotherapie nachlesen, wie die einzelnen Tätigkeitsfelder genau aussehen. Bei welchem Kind welche Methoden zusätzlich erfolgreich erscheinen, entscheidet der Psychotherapeut. Dies ist entweder ein Arzt, der seine Facharztausbildung auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie absolviert hat, oder ein Psychologe, der eine entsprechende Zusatzqualifikation für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen erworben hat. Zunehmend haben auch Personen aus anderen Berufsrichtungen, wie z. B. Lehrer oder Sozialpädagogen, eine qualifizierte Ausbildung für die Therapie bei Kindern und Jugendlichen abgeschlossen. Sollte eine medikamentöse Behandlung notwendig werden, darf diese nur der Arzt anordnen. Sie erfolgt immer in Absprache mit dem Patienten und seinen Sorgeberechtigten und stets nach ausführlicher Aufklärung hinsichtlich der Wirkungen und der möglichen Nebenwirkungen. Ob eine medikamentöse Behandlung erfolgt oder nicht, liegt in letzter Entscheidung immer in der Hand der Eltern.

Einen deutlich größeren Anteil als Medikamente nehmen die verschiedenen psychotherapeutischen Methoden ein.

Abb. 7.4

Abb.: Gruppenpsychotherapie

Manche Therapeuten gehen zunächst mehr auf die aktuelle Symptomatik ein. Sie überprüfen, welche Bedingungen im Umfeld Ihres Kindes oder welche gedanklichen Überzeugungen zur Entstehung der Problematik und deren Aufrechterhaltung beigetragen haben. Andere schauen sich die Entstehungsgeschichte von Schwierigkeiten an und versuchen, Probleme aus der früheren Entwicklung als Wurzel für die Störung aufzudecken. Immer wird eine Rolle spielen, in welchem familiären und schulischen Umfeld das Kind/der Jugendliche lebt. Es ist auch die Aufgabe des Psychotherapeuten, gemeinsam mit der Familie nach Lösungsmöglichkeiten in der Familie – und gelegentlich nach Unterstützungsmöglichkeiten außerhalb der Familie zu suchen. Entspannungstherapien sollen nicht nur Entspannung ermöglichen, sondern dem Patienten einen Zugang zu seinem Körper eröffnen, die Wahrnehmung von Spannungszuständen üben und die Gewissheit vermitteln, dass man seinem Körper nicht hilflos ausgeliefert ist.

Neben Gesprächen haben Rollenspiele und Handpuppen, der Einsatz von Verstärkerplänen, die Arbeit mit Videoaufnahmen, das Verfassen von Kurzgeschichten u. v. a. m. einen wichtigen Stellenwert in der Psychotherapie.

Von großer Bedeutung ist für alle, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeiten, dass die ärztliche Schweigepflichteingehalten wird. Selbstverständlich gilt dies gegenüber Einrichtungen wie Schule oder Jugendamt, bei Jugendlichenaber auch gegenüber den Eltern. Nur so ist es den Patienten möglich, Probleme offen in der Behandlung anzusprechen.



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