Der Tagesablauf in der Tagesklinik

Das Frühstück

Der Tag auf Station beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück. Was scheinbar selbstverständlich ist und einfach aussieht, kann, wenn mehrere schwierige Kinder aufeinander treffen, durchaus eine anstrengende Angelegenheit werden. Hier muss man abwarten, teilen, fragen, helfen, etwas für andere tun. Dabei ist uns wichtig, dass Kinder nicht an einem theoretischen Modell, sondern ganz praktisch neue Erfahrungen machen und ein neues Verhalten einüben können. Gerade gemeinsame Mahlzeiten sind dafür ein gutes Übungsfeld.

Dann geht es in die Schule.

Die Schule

Für viele unserer Patienten und ihre Familien sind Schwierigkeiten in der Schule ein ganz entscheidender Grund, die psychiatrische Behandlung aufzusuchen.

Abb.: Schulunterricht in der Klasse als wichtiger Bestandteil der Therapie in der Tagesklinik

Bei manchen stehen Leistungsprobleme im Vordergrund, das heißt, das Kind schafft den Unterrichtsstoff nicht. Andere wieder kommen nicht mit ihren Mitschülern klar, prügeln sich oder werden verprügelt. Sie haben einen "schlechten Umgang" oder gar keine Freunde, wieder andere spielen den Klassenkasper. Und dann gibt es noch jene Kinder und Jugendlichen, die ihre Lehrer nicht akzeptieren können und regelmäßig mit ihnen aneinander geraten. Andere Schüler schwänzen häufig oder gehen gar nicht zur Schule.

Es gibt viele Gründe, warum sich ein Kind nicht an die allgemein üblichen Regeln in der Schule halten kann oder will. Von Fall zu Fall haben Schüler, Eltern, Lehrer einen unterschiedlichen Anteil an dieser Entwicklung. Wenn dann unterschiedliche Erklärungsversuche zu gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Kind – Eltern – Schule führen, kann es passieren, dass das eigentliche Ziel, nämlich die erfolgreiche Schulausbildung, aus den Augen verloren geht.

In der Tagesklinik besteht der Vorteil, dass der Patient vorübergehend aus dem Konfliktfeld seiner Heimatschule genommen wird. Oft bedeutet dies für alle Beteiligten eine Erholung. Die Eltern erhalten nicht täglich eine Katastrophenmeldung aus der Schule. Der Lehrer hat eine Verschnaufpause und die Klassenmitglieder haben Zeit zu überlegen, was anders gemacht werden kann, wenn der Betreffende zurück ist. Manchmal wird auch deutlich, dass es gar nicht immer das Kind, das jetzt in der Klinik ist, der Unruheherd war.

Außerdem gibt es auch Kinder, die eigentlich kaum im Unterricht aufgefallen sind. Es sind diejenigen, die sich oft zurückziehen, wenig Kontakt mit Gleichaltrigen haben, sich nicht trauen sich zu melden oder vor Schreck alles Gelernte vergessen, wenn sie angesprochen werden.

Für alle kann es günstig sein, eine Zeitlang in einer kleinen Klasse unterrichtet zu werden. In einer kleinen Klasse kann man schlecht untertauchen und man wird auch nicht übersehen. Drei Lehrer und pädagogische Hilfskräfte helfen unseren Patienten herauszufinden, was man kann, vielleicht sogar, was einem Spaß macht. Sie helfen, dass Regeln eingehalten werden. Erfahrungsgemäß fällt das "Sich-an-die-Regeln-Halten" manchen Patienten auch unter optimalen Bedingungen schwer und manche wollen es einfach nicht. Hier müssen Schule und Stationsteam eng zusammenarbeiten, um sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen.

Natürlich kann man in einer kleinen Gruppe besser lernen. Doch trotz der geringen Gruppengröße muss differenziert werden. Die Kinder und Jugendlichen sind unterschiedlich alt, haben unterschiedliche Schulformen besucht, haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Es ist nicht zu vermeiden, dass der Stoff in der Klinik nicht genau dem entspricht, der in der Heimatschule unterrichtet wird. Für manche Kinder kann dies nach dem Aufenthalt ein Problem darstellen.

Der Nachmittag

Nach der Schule gibt es Mittagessen. Hier kann das, was beim Frühstück geübt wurde, weiter vervollkommnet werden.

Danach ist eine Stunde Zeit für Hausaufgaben und zum Spielen. Bei den Hausaufgaben ist wichtig, dass sich Schule und die Station als "Auftraggeber" abwechseln – mal werden Aufgaben aus dem Unterricht gelöst, mal die Themen aus der Therapie bearbeitet. Jeden Freitag nehmen die Kinder und Jugendlichen ihre Aufgaben mit nach Hause. Dies wurde bewusst so entschieden, damit die Hausaufgabensituation aus den Augen der Eltern nicht ganz verloren geht. Schließlich gab es vor dem stationären Aufenthalt nicht selten wegen der Hausaufgaben Streit in der Familie.

Anschließend erfolgt die Gruppentherapie. Unter Leitung des Therapeuten und unter Einbeziehung verschiedener therapeutischer Methoden lernen Kinder und Jugendliche ihr Problemverhalten wahrzunehmen, anzusprechen und selbst nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Themen wie Aggressionen, Familie, Geschwister, Gefühle, Schulprobleme, Freunde, aber auch Selbstbild, Körperwahrnehmung werden angesprochen, ausgetauscht und im Idealfall neue Einsichten gefunden.

Abb.: Gemeinsame tägliche Auswertung des Tolkenplanes durch Betreuer und Patienten

Die einzelnen Spezialtherapeuten und ihre Aufgabenbereiche wurden bereits bei den sozialpädiatrischen Teams vorgestellt. In der Tagesklinik kommen neue Aufgaben hinzu. So wird z. B. in der Ergotherapie gemeinsam mit der gesamten Gruppe ein Projekt geplant und durchgeführt. Das kann ein Theaterstück sein, bei dem vom Bühnenbild bis zum Kostüm alles in eigener Regie erstellt wird. Es kann auch ein Film sein, der sich inhaltlich mit einem der Gruppenthemen beschäftigt, bei dem das Drehbuch selbst geschrieben ist und vom Kameramann bis zum Hauptdarsteller alle Beteiligten aus der Kinder- oder Jugendlichengruppe stammen. Hier gilt es, die Phantasie unserer Patienten zu wecken und zu fördern. Daneben wird es immer wieder hilfreich sein, manche Kinder einzeln zu behandeln, z. B. bei Sprachproblemen in der Logopädie und bei Bewegungsauffälligkeiten in der Physiotherapie. Hat ein Kind kaum die Möglichkeit, über Sprache an sein Problem zu kommen, kann Kunst oder Musiktherapie einen anderen Zugang finden.

In der Bewegungsgruppe soll nicht nur die körperliche Belastbarkeit gesteigert werden. Im Gruppensetting geht es um Fairness, Einhalten von Regeln, Konkurrenz und Auseinandersetzung in einem gesellschaftlich akzeptierten Rahmen, dem sportlichen Wettkampf.

Abb.: Fußball zum Erlernen sozialer Kompetenz

Selbstverständlich findet nicht nur Therapie in der Gruppe statt. Für jeden Patienten und damit seine Familie ist ein Psychotherapeut zuständig, der entweder Arzt oder Psychologe ist. Mit diesem Therapeuten wird die persönliche Krankheitsgeschichte besprochen. Die Besonderheiten in der Entstehungsgeschichte und die spezielle Familiensituation werden eingeschätzt und es wird nach passenden Lösungsmöglichkeiten gesucht. Der Therapeut entscheidet, ob zusätzliche diagnostische Untersuchungen notwendig sind. Er ist auch dafür verantwortlich, aus der Vielzahl der angebotenen Spezialtherapien diejenige zu finden, die für Ihr Kind am besten geeignet ist. Der Therapeut wird mit Ihrem Kind einzeln arbeiten und mit Ihnen als Familie. Er ist aber auch für einen Teil der Gruppentherapien verantwortlich und nimmt an der Elterngruppe teil.

Die Elterngruppe findet einmal alle 14 Tage verpflichtend für mindestens einen Vertreter aus jeder Familie statt. Der Termin am späten Nachmittag wurde ganz bewusst gewählt, um berufstätigen Eltern entgegenzukommen. In der Gruppe werden allgemein interessierende Fragen angesprochen. Dies kann z. B. der Stellenwert von Medikamenten, der Umgang mit Strafen, Teilleistungsschwächen oder Schulproblemen sein. Die Eltern haben die Gelegenheit, selbst Fragen einzubringen und sich auszutauschen. Dabei ist es wichtig, dass nur das in der Elterngruppe besprochen wird, was die Familien auch wollen, also keine Familiengeheimnisse oder private Dinge öffentlich gemacht werden.

Um 17.00 bis 17.15 Uhr endet ein anstrengender Behandlungstag für Ihr Kind.

Nach 10 bis 14 Wochen geht ein – hoffentlich dauerhaft erfolgreicher – ganz besonderer Abschnitt im Leben Ihres Kindes und Ihrer Familie zu Ende.



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