Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie im Zentrum für Kinder und Jugendliche Inn-Salzach

Dr. Bärbel Donath

Überblick

Psychiatrie ist laut Lexikon die "Seelenheilkunde", ein Fachgebiet der Medizin, das sich mit der Vorbeugung, Erkennung, Begutachtung, Behandlung und Rehabilitation von seelischen Krankheiten und Störungen sowie der seelischen und sozialen Verhaltensauffälligkeiten befasst. Entsprechend beschäftigt sich die Kinderund Jugendpsychiatrie mit den vergleichbaren Erkrankungen und Störungen bei Kindern und Jugendlichen, berücksichtigt den Entwicklungsstand der Patienten und die besonderen Aufgaben der Kinder und Jugendlichen in verschiedenen Entwicklungsetappen. In weit größerem Maße als bei Erwachsenen spielt die Familie eine Rolle.

Das heißt, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie ebenso ein medizinisches Fachgebiet ist wie beispielsweise Kinder- oder Frauenheilkunde, Chirurgie oder Innere Medizin. 

Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, den Gang zu einem "Seelenklempner" anzutreten. Vielfältige Überlegungen wie: "Ich bin doch nicht verrückt!", "Das muss ich selbst schaffen!" oder: "Was werden die Nachbarn sagen?" spielen bei der Entscheidung, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, eine wichtige Rolle. Und tatsächlich ist die Akzeptanz eines Patienten, der im Rollstuhl sitzt, sich Insulin spritzen muss oder einen Herzschrittmacher hat, oft größer als bei den augenscheinlich doch ganz gesunden Patienten der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Oftmals ist es die Unwissenheit über psychische Erkrankungen und die Therapiemethoden, die Ablehnung oder gar Angst erzeugen kann. Seelische Erkrankungen kann man nicht sehen, sie sind "unheimlich". Drastische Behandlungsmethoden aus früheren Jahrhunderten befinden sich noch immer in den Köpfen der Menschen. Zwangsjacke, Elektroschocks, Gehirnoperationen, "chemische Keule" sind oft die Vorstellungen, die mit Psychiatrie verbunden werden. Doch wie der Zahnarzt heute keinen Holzhammer zur Betäubung seiner Patienten einsetzt, so hat auch in der Psychiatrie ein großer Wandel in den Behandlungsmethoden stattgefunden.

Es gibt aber auch jene, die hoffen, der "Psychodoktor" könne mit einer wundersamen Technik innerhalb weniger Therapiesitzungen jahrelange Probleme schmerzlos beseitigen. Sie werden in der Regel enttäuscht werden. Behandlung in der Kinderund Jugendpsychiatrie bedeutet zumeist, dass sich nicht nur der Patient auf die Behandlung einlassen muss, sondern auch Angehörige bereit sein müssen darauf zu schauen, wie ein bestimmtes Problem entstanden ist, ob es Faktoren gibt, die das problematische Verhalten aufrechterhalten, was die Familie tun kann, um das Gesunden zu unterstützen. Und all dies dauert seine Zeit.

Schon immer wurde auch beim Kinderarzt das Augenmerk nicht nur auf körperliche Erkrankungen, sondern auch auf die psychische Entwicklung der Kinder gelegt. Einige Ärzte haben eine psychotherapeutische Zusatzausbildung. In manchen Fällen wurden Psychologen zu Rate gezogen. Durch die besonders vorteilhafte Situation eines Sozialpädiatrischen Zentrums mit einer Vielzahl von Spezialtherapeuten wie Ergo-, Kunst-, Musik-, Sprach und Bewegungstherapeuten, die gemeinsam in einem Team arbeiten, werden die Möglichkeiten einer Praxis erweitert.

Bei vielen Störungen gibt es Überschneidungen zwischen den einzelnen Fachgebieten der Kinder- und Jugendmedizin,

Abb.: Teamarbeit als zentraler Ansatz der Kinder- und Jugendpsychiatrie

der Psychosomatik und der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dies ist auch nicht verwunderlich, schließlich ist der Mensch nie nur Körper oder nur Seele. In mancherlei Redewendungen hat sich dieses Wissen manifestiert, so "vor Kummer krank werden", "Ärger schlägt auf den Magen", "vor Sorge nicht schlafen können", "das Herz bleibt vor Schreck stehen".



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