Therapieindikation

Im multidisziplinären Team werden die vom Psychologen vorgestellten Ergebnisse des Diagnostikprozesses mit den Angehörigen der anderen am SPZ vertretenen Berufsgruppen diskutiert. Dabei ergeben sich oft verschiedene Ansätze zur Lösung der Fragestellung. Schließlich wird diejenige weitere Förderung oder Therapie ausgewählt und vorgeschlagen, die nach Meinung des Teams am besten geeignet ist, das Problem zu lösen. Nach der Therapieindikationsstellung wird das Ergebnis in einem Gespräch den Eltern mitgeteilt.

Abb.: Manche Probleme lassen sich nur lösen, wenn alle zusammen helfen

Psychotherapie

Neben der diagnostischen Tätigkeit arbeiten Psychologen am SPZ auch therapeutisch. In aller Regel verfügen sie neben dem abgeschlossenen Hochschulstudium über Zusatzqualifikationen in psychotherapeutischen Verfahren (Verhaltenstherapie, systemische Therapie, tiefenpsychologische Verfahren). Näheres zu diesen Therapierichtungen wird im Kapitel 17 beschrieben. Nachfolgend werden einige wichtige Inhalte beispielhaft dargestellt.

Stärkung des Selbstwertgefühls

Bei vielen Kindern und Jugendlichen, die im SPZ vorgestellt werden, ist ein geringes Selbstbewusstsein erkennbar. Die Gründe hierfür sind vielfältig und können mit verschiedenen Belastungen einhergehen. Die Psychotherapie ist ein Weg, das Kind mit Hilfe der Eltern wieder zu stärken und ihm Kraft zu geben. Wichtig ist hierbei, dem Kind Freiraum für seine eigene Persönlichkeit zu gewähren. Durch verschiedene Aufgaben und Übungen lernt das Kind, sich, seine Träume und Ideen wichtig zu nehmen und seine eigenen Stärken besser zu erkennen und anzunehmen.

Abb.: Selbstbeobachtungsbogen eines 12-Jährigen, den dieser zusammen mit seinem Psychotherapeuten einwickelt hat

Eine entscheidende Rolle spielen die Eltern, die die Entwicklung ihres Kindes zu Hause unterstützen und weiterverfolgen. So helfen vor allem Lob, gemeinsam verbrachte, schöne Zeit und kleinere, besondere Verantwortlichkeiten zu Hause, dass sich das Kind als eigenständige und wertvolle Person wahrnimmt.

ADHS-Training

Bei Kindern mit Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung gibt es verschiedene Ansatzpunkte in der Therapie. Mit dem Kind können bestimmte Basisfertigkeiten, wie genau hinschauen oder zuhören, geübt werden. Wichtig ist auch, dass die Kinder lernen, ihr Handeln zu strukturieren und zu regulieren, so dass sie beispielsweise weniger im Chaos versinken oder seltener Flüchtigkeitsfehler passieren. Mit den Eltern kann die häusliche Situation zum Vorteil aller verändert werden, z. B. indem versucht wird, die oftmals belastende Hausaufgabensituation zu entschärfen oder das sich ewig hinziehende Schlafengehen zu verkürzen.

Neben der Beschäftigung mit den Problemen sollen Eltern und Kinder wieder vermehrt positive Erfahrungen miteinander teilen. Es ist bedeutsam, den Eltern zu vermitteln, dass ihr Kind trotz der bestehenden Probleme auch Stärken hat. Weiterhin muss durch eine enge Einbindung von Schule/Kindergarten und der Lehrkraft/Erzieher der Transfer in den Alltag gewährleistet werden.

Videounterstütztes Interaktionstraining

Oft werden in der Psychotherapie Probleme aus dem häuslichen Alltag behandelt. Da Streitereien und Konflikte zwischen den Eltern und Kindern in verschiedenen Situationen entstehen und ausgetragen werden, lohnt es sich, diese genauer anzusehen.

Ein Training mit Videokamera und Fernseher bietet sich hierbei an. So werden kurze Sequenzen aufgenommen, z. B. bei der Hausaufgabe oder beim gemeinsamen Spiel, und anschließend gemeinsam mit dem Therapeuten ausgewertet und besprochen. Dabei wird vor allem geschaut, was bereits gut läuft und was noch ausbaufähig ist. Häufig können "Knackpunkte" entdeckt werden, die einen Streit zur Eskalation bringen. Mit Hilfe des Videos kann im Anschluss geübt werden, wie man seine eigenen Stärken einsetzen kann, um die Konflikte effektiv zu lösen.

Abb.: Videogestütztes Interaktionstraining bei der Hausaufgabensituation

Neuropsychologische Therapie

Aufgrund von Störungen höherer Hirnfunktionen können Kinder Probleme bei der räumlichen Wahrnehmung, dem Gedächtnis oder der Aufmerksamkeits- und Lernleistung haben. Bei diesen kognitiven Schwierigkeiten bietet sich eine neuropsychologische Therapie an, die zum einen aus Psychotherapie und zum anderen aus einem spezifischen Funktionstraining besteht. In der psychotherapeutischen Unterstützung wird mit dem Kind und den Eltern vor allem auf die Bewältigung des Alltags, das Verstehen der Krankheit und die Entwicklung neuer Perspektiven und des Selbstwerts eingegangen. Je nach den Problemen gestaltet sich die Funktionstherapie.

Die funktionelle Therapie wird mit besonderen Programmen am Computer oder Verfahren mit verschiedenen Übungen und Aufgaben durchgeführt. Exemplarisch wird nun kurz auf ein Training für Kinder mit Problemen bei der räumlichen Wahrnehmung eingegangen (Dimensioner): Die Kinder und Jugendlichen lernen hier beispielsweise das Einschätzen räumlicher Abstände, Umsetzen von Abstraktem ins Konkrete und wie sie ihre Planungsfähigkeit fördern. Als Materialen dienen u. a. Knete, Bausteine, PC-Malprogramme sowie Blatt und Bleistift für verschiedene Schreib- und Zeichenübungen. Die Inhalte bauen aufeinander auf, ergänzen sich und ermöglichen so ein graduelles Erlernen der räumlichen Wahrnehmung.

Abb.: Therapie soll auch Spaß machen – beim Spiel mit der Playstation

Gruppentherapie

Im SPZ gibt es ebenfalls die Möglichkeit einer Gruppentherapie. Das Ziel ist zu erleben, dass auch andere Kinder und Jugendliche ähnliche Probleme oder Krisen haben und man zusammen Lösungswege erarbeiten kann.

Der Aufbau der Gruppen ist ähnlich. Vier bis sechs Kinder treffen sich wöchentlich mit zwei Therapeuten und bearbeiten mit verschiedenen Übungen anstehende Probleme, finden Stärken und Ressourcen und lernen, das Besprochene im Alltag umzusetzen. In regelmäßigen Abständen finden Elterngespräche statt. Neben Psychologen sind Musik-, Kunst-, Ergotherapeuten und Sozialpädagogen mit der Gruppentherapie betraut. Am SPZ gibt es je nach Bedarf Gruppen für ADHS-Kinder, Kinder mit Problemen in der sozialen Kompetenz, für Scheidungskinder, ängstliche Kinder und hochbegabte Kinder.

Beispiel: Gruppe für hochbegabte Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten

Struktur:
In der Gruppe für hochbegabte Kinder (Einstein- bzw. Zweistein-Gruppe) treffen sich einmal wöchentlich für 1 1/2 Stunden bis zu sechs Kinder ähnlichen Alters. Die Gruppe ist offen, es können jederzeit neue Kinder dazukommen. Die Gruppen werden von je einer Psychologin und einer Sozialpädagogin bzw. Ergotherapeutin geleitet.

Ziele:
Anhand verschiedener Spiele, Übungen und Projekte sollen die Kinder sozial kompetent werden, sich besser bewegen lernen und ihre Begabung und auch Kreativität fördern können. Für jedes Kind gibt es noch zusätzliche, individuelle Ziele. Regelmäßig finden Elterngespräche statt.

Stundenablauf:
Der Ablauf einer Gruppenstunde ist folgendermaßen strukturiert: Sie beginnt mit einem Eröffnungsspiel und der Eingangsrunde, in der jedes Kind erzählt, was es letzte Woche erlebt hat. Danach wird am aktuellen Projekt gearbeitet, für das sich die Kinder entschieden haben (z. B. Bauen eines Modell-Luftkissenbootes, Theaterstück über das Sonnensystem). Am Ende der Stunde wird noch gemeinsam gespielt oder es wird eine Entspannungsgeschichte vorgelesen.

Abb.: Eine Szene aus einem selbst verfassten und -inszenierten Theaterstück über die Entstehung der Welt



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