Systemisches Arbeiten mit Familien - Familientherapie

Die Familie stellt immer noch die wesentliche Bedingung für eine gesunde Entwicklung von der Geburt bis ins Jugendalter dar. Nicht immer vollzieht sich dieser Prozess aber reibungslos: Wo Menschen zusammenleben, entstehen auch Spannungen, Interessenkonflikte und Probleme.

Die Idee, dass die Wirklichkeit erst vom Betrachter geschaffen wird, stellt eine wesentliche Grundlage systemischen Handelns dar. Probleme werden nicht einem einzelnen Familienmitglied zugeschrieben, sie können als Ausdruck von Beziehungskonflikten zwischen Personen gesehen werden. Entscheidend ist nicht ein Verhalten an sich, sondern welche Bedeutung wir diesem Verhalten geben. So kann z. B. ein Kind gesehen werden als ein Problemkind, das die Eltern belastet, oder aber als ein geliebtes Kind, das die Eltern in seiner Entwicklung unterstützen wollen. 

Ob die Eltern sich mehr für die erste oder die zweite Sichtweise entscheiden, wird für das Kind von entscheidender Bedeutung sein. Eine Möglichkeit, problemorientierte Sichtweisen zu verändern oder in Frage zu stellen ist das Umdeuten, Reframing. Dabei wird einem Geschehen ein anderer Sinn gegeben, indem es in einen anderen Rahmen (engl. Frame) gesetzt wird. Jetzt können neue Bedeutungen entstehen: Positive, bislang nicht gesehene Aspekte kommen ans Licht.

Beispiel: "Unsere Tochter kann nie still sitzen!!" "Ah, sie steckt also voller Neugier und Tatendrang?" 

In der lösungsorientierten, systemischen Therapie wird nach Möglichkeiten, Fähigkeiten und Ressourcen gesucht. Lösungen finden wir nicht im Beschreiben von Problemen, sondern indem wir Dinge tun, die uns zu einem gewünschten Ziel bringen. In der Therapie ist es dabei von größter Bedeutung, dass nicht ein Therapeut die Ziele vorgibt, sondern die Familie eigene Ziele formuliert. Nur wenn die Familie dieses Ziel als wichtig ansieht, wird sie auch effektiv daran arbeiten, es zu erreichen.

Abb.: In der lösungsorientierten, systemischen Therapie wird nach Möglichkeiten, Fähigkeiten und Stärken gesucht

Die durch die Therapie angestoßenen Veränderungen werden nicht in der Therapiesitzung wirksam, sondern vor allem zu Hause, zwischen den Sitzungen. Deshalb werden Termine oft nicht wöchentlich, sondern im Abstand von 2 oder 3 Wochen vereinbart.

Wichtig für das Arbeiten mit Familien ist die Neutralität oder besser Allparteilichkeit. Alle Familienmitglieder werden entsprechend ihrer Entwicklung und ihrer Position in der Familie ernst genommen. Prinzipiell ist keine Perspektive besser oder schlechter als die andere. Ziel der Therapie ist es, zu einem neuen Verständnis der anderen Familienmitglieder und der Beziehungen zueinander zu kommen und gemeinsame Ziele zu erarbeiten, die auch jedem Einzelnen gerecht werden und Kommunikation wieder möglich machen.



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