Was ist eine psychische Störung?

Der Begriff der psychischen Störung oder der Verhaltensstörung ist im Vergleich zur körperlichen Erkrankung häufig negativ bewertet und wird von den Betroffenen als Makel empfunden. Dabei ist vielen Menschen unklar, was unter einer Verhaltensstörung zu verstehen ist. In der Tat ist es nicht leicht, dies präzise zu formulieren. So gibt es keine scharf trennenden Kriterien, die eine genaue Definition des Begriffs erlauben. Es kann jedoch eine Reihe von Merkmalen genannt werden, die klinisch bedeutsam sind und somit unter dem Begriff der psychischen Störung zusammengefasst werden können.

Ein wichtiges Kriterium gestörten Verhaltens ist die quantitative Abweichung des Erlebens und Verhaltens von dem, was in einer bestimmten Situation als normal erachtet wird. Die meisten Menschen sehen sich mit sozialen Ängsten konfrontiert. Erreicht diese Angst jedoch eine extreme Ausprägung, die es beispielsweise nicht mehr erlaubt, gelerntes Wissen wiederzugeben, so liegt ein Verhalten vor, welches stark vom Durchschnitt abweicht und als problematisch zu erachten ist. Weiterhin ist das Verletzen sozialer Normen ein Anhaltspunkt für Verhaltensstörungen. So kann das Vorliegen einer Aufmerksamkeitsstörung mit motorischer Unruhe zu problematischen Verhaltensweisen führen, die von der Umgebung als Überschreitung allgemein akzeptierter Grenzen gesehen werden. Auch persönliches Leiderleben ist ein wichtiger Faktor beim Vorliegen psychischer Störungen. Nur selten wird eine psychische Störung diagnostiziert werden, wenn beim Patienten kein Leidensdruck vorliegt.

Meistens gehen psychische Störungen mit einer Beeinträchtigung der Lebensführung einher. Angststörungen können zum Vermeiden unterschiedlichster Situationen und somit zur Aufgabe wichtiger Lebensbereiche führen. Delinquenz und Drogenmissbrauch führen zu sozialer und beruflicher Unfähigkeit. Keines der genannten Kriterien alleine reicht aus, um von einer psychischen Störung zu sprechen. Gemeinsam bieten sie aber einen nützlichen Ausgangspunkt zur Begriffseingrenzung.

Ist eine Einordnung des Störungsbildes vorgenommen, kann das Therapieziel formuliert werden. Der Prozess der Zielfindung wird dann gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet. Dabei ist die Motivation des Patienten von zentraler Bedeutung. Die Therapie ist als Angebot zur Selbsthilfe zu verstehen und somit auf aktive Mitarbeit angewiesen.



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