Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie hat ihre Wurzeln in der Lerntheorie und setzt problemspezifisch an den jeweiligen Symptomen der Kinder und Jugendlichen an, um sich direkt und rasch mit den Problemen auseinander zu setzen. Ursprünglich liegt dabei die Idee zu Grunde, dass Auffälligkeiten gelernte Verhaltensweisen sind, die durch so genannte Konditionierungsprozesse erworben und gefestigt werden. Die Kinder sollen also in der Therapie falsch Gelerntes umlernen oder verlernen und bisher nicht Gelerntes neu lernen. Die frühere Lebensgeschichte spielt nur insofern eine Rolle, wie sie Hinweise auf gegenwärtige, aufrechterhaltende Bedingungen liefert. Als Basis sind drei Mechanismen aus der Lerntheorie zu sehen.

Bei der klassischen Konditionierung wird ein ursprünglich neutraler Reiz zu einem spezifischen Auslöser. Ein Beispiel für die Anwendung dieses Prinzips in der Verhaltenstherapie ist die so genannte systematische Desensibilisierung. Hier versucht man durch die Vermittlung von Entspannung Angst abzubauen. Die Therapeutin erstellt zusammen mit dem Kind eine Angsthierarchie. Langsam und durch ein Entspannungstraining lernt das Kind, seine Ängste Schritt für Schritt abzubauen, man wagt sich wieder in die bisher angstbesetzte Situation.

Bei der operanten Konditionierung wird ein Verhalten nach seinem Auftreten belohnt oder bestraft. Hierdurch wird die Häufigkeit dieses Verhaltens in der Zukunft beeinflusst. Wird ein Kind für ein gewünschtes Verhalten gelobt oder belohnt, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dies in Zukunft wieder macht, höher. Bei Konsequenzen für oder Ignorieren von Fehlverhalten tritt dieses in Zukunft weniger häufig auf. Hier wird vor allem im Bereich der Hausaufgabenstrukturierung mit Punkte-Plänen gearbeitet.

Beim Modelllernen profitiert die Therapie davon, dass sie dem Kind ein der Situation angemessenes Verhalten vorführt. Das Kind lernt dann durch Nachahmung. Durch vielfaches Üben im alltäglichen Leben lernt das Kind das Verhalten und kann es nach einer gewissen Zeit selbstständig ausführen. So werden bei Problemen im sozialen Bereich Rollenspiele durchgeführt, in denen die jeweiligen Situationen geprobt werden.

Grundlage der Therapie ist in jedem Einzelfall eine genaue Problem- und Verhaltensanalyse, um herausfinden, von welchen Reizbedingungen das Verhalten abhängt. Welcher Auslöser und welche Konsequenzen des Verhaltens gibt es? Ursachen und aufrechterhaltende Bedingungen von Reaktionen werden dabei genauer betrachtet. Auf der Basis dieser Faktoren wird dann ein für jedes Kind individuelles Therapieprogramm erarbeitet, das verschiedene Aspekte enthält.

Die Inhalte orientieren sich an den konkreten Verhaltenszielen, betonen die Durchführung von Interventionen in der alltäglichen Umgebung und beziehen die Eltern, Lehrer und andere wichtige Bezugspersonen mit ein.

Abb.: Mit Hilfe verschiedener Übungen lernt das Kind weniger impulsiv zu handeln

Um so einen Transfer in den Alltag zu gewährleisten, werden oft Hausaufgaben aufgegeben.



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