Schule in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Von Klaus Funke

Mit der Erweiterung des Sozialpädiatrischen Zentrums Inn-Salzach um zwei kinder und jugendpsychiatrische Tagesklinik Gruppen mit Ambulanz im September 2005 nehmen auch die zwei Klassen der neu entstandenen Schule ihren Betrieb auf.

Abb.: Blick in die Schulklasse der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Tagesklinik in Altötting am ersten Schultag. Im Hintergrund rechts der Schulleiter Sonderschulkonrektor Klaus Funke mit den Lehrkräften Frau Brüchle, Frau Wimmer und Herrn Seise (von links nach rechts)

Die Klassen werden als Abteilung der Schule an der Heckscher Klinik München geführt und haben den Auftrag, die Patienten der beiden Tagesklinikgruppen mit Unterricht zu versorgen.

Die Schule an der Heckscher Klinik München mit ihren Abteilungen Rottmannshöhe (Starnberger See), Rosenheim und Altötting blickt auf eine mittlerweile 75jährige Geschichte zurück und verfügt damit über eine lange Tradition in der Organisation und Durchführung von Unterricht für die Patienten einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik. Fest verankert in dieser Tradition ist die stete Auseinandersetzung mit den Anforderungen der jeweiligen Gegenwart und damit eine stets fortschreitende Schulentwicklung zur Sicherung einer für ihre Schüler/-innen gewinnbringenden Zukunft. Derzeit verfügt die Schule über 25 Klassen für ca. 200 Schüler. Ein Kollegium von ca. 55 Mitarbeitern (Sonderschullehrer, Fachlehrer, Gymnasiallehrer, Heilpädagogische Förderlehrer sowie Mitarbeiter in Verwaltung und Haustechnik) sorgen für einen individuellen, auf die Bedürfnisse der Schüler zugeschnittenen Schulbetrieb.

Bedeutung des Unterrichts für die Patienten

Die jungen Patienten befinden sich in einer Krise. Sie und ihre Eltern erhoffen sich von der Behandlung eine positive Wende und eine Befreiung aus einer oft verworrenen Situation. Für den größten Teil der Patienten bedeutet dies auch eine Krisensituation im Schulalltag. Einen Weg aus dieser Krise zu finden ist deshalb eines der Ziele während des Schulbesuchs an unserer Einrichtung.

Da sich der Aufenthalt in der Klinik meist über mehrere Wochen erstreckt, ist eine schulische Vollversorgung der Patienten unbedingt erforderlich. Die Schüler/-innen erhalten deshalb einen Unterricht weitgehend nach der für ihre Schulart (bei Volks- und Förderschulen) gültigen Stundentafel und können somit auch ein Zeugnis erhalten, was ihnen die Fortsetzung ihrer Schullaufbahn ohne Ausfälle ermöglichen kann. Schüler/-innen aus Realschulen und Gymnasien bleiben an ihren Herkunftsschulen angemeldet und erhalten ein Unterrichtsangebot nach unseren Möglichkeiten.

In den kleinen Klassen mit ihrem vielfachen individuellen Differenzierungsangebot können die Lehrkräfte auf die jeweiligen besonderen Erfordernisse der Schüler eingehen, wodurch recht schnell neue und positive Schulerfahrungen möglich werden. Die schulische Motivation steigt wieder, Verhaltensprobleme können leichter abgebaut werden.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Klinik und Schule ermöglicht eine optimale Abstimmung der Behandlung und - unter Einbeziehung der Erziehungsberechtigten - aller Maßnahmen, die für eine positive Entwicklung notwendig sind.

Die schulische Arbeit in den Klassen des ZKJ Altötting

Das Angebot der beiden Klassen umfasst in der Klassengruppe 1 Unterricht für die Jahrgangsstufen 1- 4 und in der Klassengruppe 2 Unterricht für die Jahrgangsstufen 5 - 9. Jede Klasse ist mit einem/-r Sonderschullehrer/-in und mit einem/-r heilpädagogischen Förderlehrer/-in besetzt. Weitere Sonderschullehrerstunden stehen für beide Klassen zur individuellen Nutzung (Fachunterricht, spezieller Förderunterricht etc.) zur Verfügung. Die Klassenstärke beläuft sich auf 8 Schüler pro Klasse. Diese Rahmenbedingungen machen einen auf jeden Schüler abgestimmten individuellen Unterricht möglich und erlauben eine optimale Förderung in Hinblick auf die weitere Schullaufbahn und die Setzung individueller erzieherischer Schwerpunkte.

In regelmäßigen Besprechungen tauschen sich Lehrkräfte und Mitarbeiter der Tagesklinik über Stand, Verlauf und Ziel der Behandlung und Förderung der jungen Patienten aus und stimmen alle Maßnahmen sorgfältig aufeinander ab. Im Verlauf der schulischen Arbeit während des Klinikaufenthaltes ermitteln die Mitarbeiter der Schule den Förderbedarf der Schüler und besprechen in Zusammenarbeit mit der Tagesklinik und den Erziehungsberechtigten den für den Schüler geeignetsten Förderort.

Neben dem planmäßigen Unterricht gemäß den amtlichen Stundentafeln wird viel Raum für spezielle Fördermaßnahmen wie z. B. Legasthenieförderung, motorische Förderung etc. eingeräumt. Für die Durchführung dieser Förderung stehen im SPZ alle notwendigen Räume in sehr guter Ausstattung bereit.

Abb.: Alle Arbeitsplätze sind an eine zentrale EDV-Anlage angeschlossen, um methodisch-didaktisch den Unterricht zu unterstützen. Hier sind die Schüler dabei, Programme der Legasthenieförderung zu bearbeiten

Die moderne, vernetzte EDV-Anlage erlaubt jederzeit den Einsatz von neuesten Kommunikationstechniken und Förderprogrammen im Unterricht.

Entlassung aus der Klinik und schulische Nachbetreuung

Rechtzeitig vor Beendigung des teilstationären Aufenthaltes wird mit der aufnehmenden Schule (dies kann sowohl die zuvor besuchte Schule oder nach entsprechender Schullaufbahnkorrektur eine für den Schüler geeignetere Schule sein) Kontakt aufgenommen, um den weiteren Schulbesuch gezielt vorzubereiten. Dabei wird mit dem Sozialdienst der Klinik eng zusammengearbeitet, um eventuell begleitende Maßnahmen (z. B. Besuch einer Heilpädagogischen Tagesstätte am Nachmittag) mit dem Schulbesuch in Einklang zu bringen. Falls erforderlich, kann der mobile sonderpädagogische Dienst der Schule an der Heckscher-Klinik eingeschaltet werden, um bei auftretenden Problemen beratend an einer Lösung mitzuwirken.



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